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»Unnötiges Risiko« für die Patienten

Neue Details zur Gesundheitsgefährdung durch Doping belasten den Arzt Fuentes beim Prozess in Madrid

Der weltweit größte Dopingprozess in Madrid wendet sich möglicherweise doch noch entscheidend gegen den angeklagten Arzt Eufemiano Fuentes. Dessen Behandlungsmethoden können tödliche Folgen haben.

Im weltgrößten Dopingprozess in Madrid erhielt das Argumentationsgebäude des angeklagten Arztes Eufemiano Fuentes im Lauf der letzten Tage empfindliche Schläge. Am Dienstag sagte der Ex-Radprofi Tyler Hamilton aus.

Der US-Amerikaner berichtete von Beschwerden nach Eigenbluttransfusionen: »Das Insulin führte zu Schweißausbrüchen und Herzrhythmusstörungen. Ich fühlte mich merkwürdig. Im Juli 2004 führte eine Transfusion zu Fieber«, erklärte er. In seinem Buch »The Secret Race« (Das geheime Rennen) hatte er Kopfschmerzen und Blut im Urin als Folge der Retransfusion eines verdorbenen Blutbeutels während der Tour de France 2004 beklagt. Der Blutbeutel stammte von Fuentes. Bei der Rücktranfusion war der spanische Arzt aber nicht zugegen, weshalb Hamilton die Hilfe eines Arztes seines Teams »Phonak« in Anspruch nahm. »Die Blutzellen waren alle tot«, erzählte Hamilton. Fehler beim Auftauen oder Lücken in der Kühlkette sind die wahrscheinlichste Erklärung dafür.

»Eigenbluttransfusionen bedeuten ein unnötiges Risiko. Gewöhnlich wendet man diese Praxis nur bei Patienten an, die Fremdbluttransfusionen aus religiösen Gründen ablehnen«, erklärte der Experte Yorck Olaf Schumacher von der Weltantidopingagentur vergangene Woche vor Gericht. Schumacher, der im Jahr 2000 eine dubiose Rolle bei der Vertuschung eines erhöhten Hämatokritwerts des Radprofis Patrik Sinkewitz spielte, aber auch an der Entwicklung von Dopingtests auf Epo und dem Blutpassprogramm der UCI beteiligt war, schätzte die Rücktransfusion schon abgestorbener Blutkörperchen als besonders gefährlich ein. »Das belastet das Immunsystem und kann organische Schäden auslösen«, sagte er und verwies auf die Transfusionsinduzierte Lungeninsuffizienz, die sogar zum Tode führen kann.

Der frühere Erfolgsfahrer Hamilton zweifelte in seiner Aussage vor Gericht auch die korrekte Lagerung der Blutkonserven an. Auf seinen positiven Test wegen Fremdblutdopings im Jahr 2004 angesprochen, meinte der US-Amerikaner, der aus der spanischen Botschaft in Washington per Video zugeschaltet war: »Entweder sie haben mir Blut von jemand anderem gegeben, oder der Test hat nicht funktioniert, oder sie haben mit meinem Blut herumgespielt.«

Diese Details dürften Fuentes einer Verurteilung wegen Gesundheitsgefährdung näher bringen. Hoffnung schöpfte der Angeklagte möglicherweise kurz, als der frühere Generaldirektor des spanischen Gesundheitswesens, Manuel Oñorbe, am Montag erklärte, dass Blut laut spanischer Rechtsprechung nicht als Medikament gelte. Oñorbe führte »historische Gründe« an, etwa dass Blut freiwillig gespendet und nicht industriell hergestellt werde. Er bezeichnete aber die Transfusionspraxis von Fuentes als »Gefahr für die Gesundheit«: »Das ist, als würde man einen Wegweiser für die Autobahn in die Gegenrichtung aufstellen«, sagte er.

Derweil erweitert sich der Kreis der bekannten Kundschaft von Fuentes: Der einstige Radfahrer und Sprintkönig Mario Cipollini soll als »Maria« in der Kartei geführt worden sein, der Luxemburger Fränk Schleck als »Amigo di Birillo«. Auch Spaniens erfolgreichste Leichtathletin, die Langstrecken- und Hindernisläuferin Marta Dominguez, soll Informationen der Tageszeitung »El País« zufolge »mindestens seit 1997« Kundin von Fuentes gewesen sein. Die vermutete Verbindung von Fuentes mit dem Profifußball bleibt - abgesehen von seiner Zusammenarbeit mit dem Erstligisten Real Sociedad San Sebastián - aber weiterhin im Dunkeln.

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