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Die Ehre des Pleitiers

Im niedersächsischen Melle wird die Umbenennung der Anton-Schlecker-Straße gefordert

  • Von Elmar Stephan, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Hundert Arbeitsplätze gegen einen Straßennamen: Als Schlecker in den 90er Jahren im niedersächsischen Melle ein Lager bauen ließ, forderte das Unternehmen eine »Anton-Schlecker-Straße« als Adresse. Nach der Insolvenz des Unternehmens wollen die Grünen nun eine Umbenennung des 300 Meter langen Weges.

Melle. Niemand wohnt hier. Direkt an der Autobahn liegt in Melle bei Osnabrück ein Gewerbegebiet. Dort betrieb der frühere Drogerie-Marktführer Schlecker ein Lager, bot gut 100 Mitarbeitern Jobs. Doch die Insolvenz des Unternehmens führte zur Schließung des Standorts. Weil Schlecker Ende der 90er Jahre auf »Anton-Schlecker-Straße« als Adresse für das Lager bestand, diskutieren die Meller nun, nach der Pleite des Unternehmens den Straßennamen zu ändern.

Den Anfang hatte die Gewerkschaft ver.di gemacht: Statt »Anton-Schlecker-Straße« sollte der gut 300 Meter lange Weg doch besser »Schlecker-Frauen-Allee« heißen, hatte Anne Preußer von der Osnabrücker ver.di-Geschäftsstelle schon im vergangenen Jahr gefordert und dem früheren Unternehmensführer nicht nur Managementfehler, sondern auch Verantwortungslosigkeit und Gier vorgeworfen: »Deshalb wollen die Schlecker-Frauen, dass der Straßenname in Melle umbenannt wird«, sagte Preußer damals.

Ein richtiger Antrag an die Stadtverwaltung sei das wohl nicht gewesen, sagt Stadtpressesprecher Jürgen Krämer: »Es war wohl eher eine in der Öffentlichkeit formulierte Anregung.« Immerhin habe sich daraufhin auch der Ortsrat Melle-Mitte mit dem Vorschlag beschäftigt, allerdings ohne richtige Konsequenzen, sagt Reinhardt Wüstehube von den Grünen. »Das war wohl eher als Provokation gedacht.« Aber es brachte den Kommunalpolitiker, der beruflich Schulleiter ist, auf die Idee, tatsächlich einen Antrag auf Umbenennung zu stellen. Im Gespräch ist nun die Flurbezeichnung »Am Sandkamp«.

Schon vor dem Bau des Lagers hätten einige in Melle kritisiert, dass die Stadt dem Druck von Anton Schlecker stattgegeben und die Straße entsprechend benannt habe. »Anton Schlecker ist keine verdiente Persönlichkeit des Ortes«, meint Wüstehube. Ein Straßenname sei so etwas wie eine Auszeichnung, und die habe sich der Unternehmensgründer nicht verdient. Bei den Anliegern kommt der Umbenennungsantrag nicht gut an. »Die Anlieger der Anton-Schlecker-Straße sind alles Unternehmer, und sie sind alle geschlossen dagegen«, stellt Dieter Witt, Chef der Firma AWT Armaturen, klar. Das mache nur Kosten und viel überflüssige Arbeit. »Das kostet hier jedes Unternehmen mindestens 10 000 Euro«, sind er und seine Nachbarn überzeugt. Firmendrucksachen müssten geändert werden, auch Beschriftungen von Firmenwagen. Den Kunden müsste man die neue Adresse mitteilen, bis sich das endgültig herumgesprochen habe, werde viel Zeit vergehen. Außerdem würde es Jahre dauern, bis auch das letzte Navigationsgerät den neuen Straßennamen kenne. »Das soll hier nur aus politischen Gründen durchgeboxt werden«, sagt Witt.

Entschieden ist indes noch nichts. Die Stadtverwaltung prüfe derzeit die zahlreichen Einwendungen gegen den Vorschlag und werde dem Ortsrat einen fundierten Beschlussvorschlag machen, sagt Stadtsprecher Krämer. Das werde sicherlich noch einige Wochen dauern. »Bis zum März wird das nichts mehr.«

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