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Beim Breitensport heute Schlusslicht

Enquetekommission nahm aber vor allem Doping in der DDR und Stasi-Aktivitäten ins Blickfeld

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Brandenburg ist Schlusslicht in Deutschland beim Breitensport. Dabei prägte der Sport einst das Leben in der DDR. Wie es zu dem Wandel kommen konnte, damit beschäftigte sich die Enquetekommission des Landtags zur Aufarbeitung der Nachwendejahre allerdings wenig.

Jutta Braun und weiteren Wissenschaftler vom Zentrum deutsche Sportgeschichte haben der Kommission kürzlich ein insgesamt ausgewogenes Gutachten vorgelegt. Sie beleuchten das DDR-Sportsystem, die Wandlungsprozesse seit 1989 sowie »ausgewählte Kapitel des SED-Unrechts im Sport«.

Der Sport gehört demnach zu den wenigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, in denen die Bundesrepublik »von der DDR lernte«, hält das Gutachten fest. Die drei Bezirke Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) gehörten einst zu den Hochburgen des DDR-Leistungssports. Das reiche Angebot sportlicher Betätigung vor allen an den Schulen wich nach der Wende den Regeln des bürgerlichen Vereinsrechts. Der Kostenfaktor, der anno dazumal eine unbedeutende Rolle spielte, trat hinzu. Die Folge: Der Breitensport zählt im Osten deutlich weniger Aktive als im Westen. Brandenburg steht dabei auf dem letzten Platz.

Beim Thema Doping wollten die Gutachter dem »landläufigen Vorurteil« entgegentreten, Doping sei letztlich überall auf der Welt zu finden und somit überall »das Gleiche«. Sportbetrug sei es in der Tat überall, doch dürfte der Unterschied nicht verwischt werden, dass in der DDR eine staatlich organisierte und mit repressiven Methoden durchgesetzte Täuschung und Körperverletzung vieler Athleten, darunter zahlreicher Minderjähriger, stattgefunden habe. Die Doping-Untersuchungen hätten sich allerdings nach der Wende auf den Osten fokussiert, weil die Beweislage besser gewesen sei, hält das Gutachten fest. Ostdeutsche Sportler hätten sich dadurch einseitig an den Pranger gestellt gefühlt.

Die Gutachter sprechen von »langwierigen Auseinandersetzungen um das Thema Staatssicherheit im Sport«. Der erste Präsident des Landessportbunds habe an seinem Amt festhalten wollen, obwohl ihm eine Belastung nachgewiesen worden sei. Fast die Hälfte der Delegierten des Landessporttages 1993 hätte ihn in dieser Haltung bestätigt. Ähnliche Entwicklungen hatten Thüringen und Sachsen-Anhalt durchlaufen. Wünschenswert seien Studien dazu, »in welch hohem Ausmaß das Sportsystem der DDR … von der Staatssicherheit gelenkt und infiltriert war«. Selbst Jugendliche seien systematisch angeworben worden. Nur so werde verständlich, weshalb viele Aktive, die vor allem ihren Sport treiben wollten, sich gedrängt fühlten, dem Geheimdienst als inoffizielle Mitarbeiter zur Verfügung zu stehen.

Die Landtagsabgeordneten Margitta Mächtig und Peer Jürgens (beide LINKE) erklärten, die klar zu verurteilende staatliche Dopingpraxis der DDR sei »nach der Wende in vielen Prozessen juristisch aufgearbeitet« worden. »Die vielbeachteten sportlichen Erfolge der DDR waren ein wichtiges Mittel der DDR-Führung im Streben nach internationaler Anerkennung.« Der kleinere der beiden deutschen Staaten habe am Ende »über eines der weltweit erfolgreichsten Sportsysteme« verfügt. »Diese Erfolge sind nicht vordergründig durch den Einsatz von Doping erklärbar.« Vielmehr könne das erfolgreiche System der Kinder- und Jugendsportschulen als Hauptursache bezeichnet werden. Was das Doping betreffe, stehe die umfassende Aufarbeitung dieser Praxis in beiden deutschen Staaten vor 1990 noch aus.

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