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Die Linken müssen wieder auf die Leute zugehen

Politikwissenschaftler Franco Cazzola über die Lehren der Parlamentswahl

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Franco Cazzola ist Politikwissenschaftler und Professor an der Universität Florenz. Cazzola war zuvor in der Kommunalverwaltung in Catania und in der Regionalverwaltung der Toskana tätig. Mit ihm sprach für »nd« Anna Maldini.

nd: Hat Sie das Ergebnis der Parlamentswahl in Italien sehr überrascht?
Cazzola: Irgendwie schon, weil ich doch immer das Beste für mein Land wünsche. Und das ist es sicherlich nicht. Ich hatte wirklich geglaubt, dass es den Demokraten gelingen würde, der Rechten vor allem im Norden des Landes mehr Stimmen abzunehmen.

Wie bewerten Sie den Ausgang?
Ich sehe eine gute und eine schlechte Seite. Gut ist meiner Meinung nach, dass die Italiener mit dem Erfolg von Beppe Grillo gezeigt haben, dass sie Politik machen und mit einbezogen werden wollen. Ein großer Teil der Italiener hat es offensichtlich satt, einfach von oben regiert zu werden. Sie wollen über Politik reden und nutzen die Plattformen - im Fall von Grillo das Internet -, die man ihnen zur Verfügung stellt. Das ist ein Zeichen von Vitalität, mal von den Inhalten ganz abgesehen. Schlecht - und da beziehe ich mich ganz klar auf Berlusconi und seine Wähler - ist die Tatsache, dass es immer noch viele Italiener gibt, die nur an das Jetzt denken und nicht an die Zukunft und die ihrer Kinder. Berlusconi hat ihnen ein paar Euro versprochen und sie halten die Hand auf.

Warum haben die Demokraten und die linken Parteien allgemein nicht besser abgeschnitten?
Das hat mit dem zu tun, was ich eben sagte: Die Linken haben offensichtlich vergessen, wie man mit den Bürgern zusammen Politik macht. Nehmen Sie nur das Beispiel der sogenannten Vorwahlen, mit denen die Demokraten ihren Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani gekürt haben. Es wurde als großer Erfolg gefeiert, dass daran drei Millionen Personen teilgenommen haben. Aber Italien hat 50 Millionen Wähler. Außerdem ging es da doch wohl auch in erster Linie um die internen Machtverhältnisse in der Partei. Ich sehe das auch hier in der Toskana, wo ich wohne: Wenn man in die Parteilokale der Demokraten oder einer anderen linken Gruppe geht, dann drehen sich neun von zehn Sitzungen und Versammlungen um parteiinterne Fragen. Man ist selbstbezogen und hat offensichtlich verlernt, wie man »die Anderen« anspricht. Die Linken müssen wieder auf die Straße und auf die Leute zugehen - und das nicht nur ein paar Wochen vor einer Wahl.

Wie stellen Sie sich Italien in einem oder zwei Jahren vor?
Ich habe keine Kristallkugel und viel hängt von dem Verantwortungsbewusstsein ab, das die Parteien in den kommenden Wochen an den Tag legen werden. Aber eines ist sicher: Wenn in Italien weiter nur Nabelschau betrieben wird wie bisher, wenn die Politik weiterhin nur für das Heute und Jetzt arbeitet, dann steuern wir auf eine Katastrophe zu und die möchte ich mir noch nicht einmal ausmalen.

Was gilt es dagegen zu tun?
Nicht nur im Land, sondern auch in der Politik müssen die verantwortungsbewussten Gruppen auf einen Wiederaufbau setzen. Diese Wahlen haben ein Bild der Zerstörung gezeigt. Entweder suhlen wir uns darin oder wir - und damit meine ich all diejenigen, denen das Allgemeinwohl und die Zukunft unserer Kinder und Enkel am Herzen liegt - krempeln die Ärmel hoch und beginnen damit, die Trümmer wegzuräumen und etwas Neues aufzubauen.

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