Eine Moral verwertbaren Abfalls

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Lasagne al cavallo für Hartz IV-Empfänger, vor Jahren BSE-Rinder für Hungerregionen. Wie kommen wir eigentlich dazu, das, was wir für die Gesellschaft als Abfall deklarieren, dennoch an bestimmte Gesellschaftsschichten verteilen zu wollen? Sind die Habenichtse die Säue dieses postagrarischen Zeitalters, denen man allerlei Unrat, das was sonst nicht gegessen wird, vor die Schnauze kippen kann?

Nach demselben Muster funktioniert das Die Tafeln-System. Was vom Aggregatzustand Ware zum Zustand des Abfalls hinübergleitet, wird zum Artikel für die Tafeln. Bevor es weggeworfen wird, in der Müllverbrennungsanlage landet, ist es doch besser, wenn das Produkt im Körper des Mittellosen als Kalorien verbrannt wird. Der Hartz IV-Bezieher als Rostfeuerung.

Persönliche Empirie: Ich habe mich in meiner Zeit in Hartz IV-Bezug nie über die Tafeln ernährt. Aber ich hatte Bekannte, die es taten. Ein Fischgericht aus dem Tiefkühler war da schon mal zwei Wochen überfällig; Joghurt hatte sich eigentlich immer von festen zum wabbeligen Zustand umorganisiert. Letzteres ist sicher kein Drama. Aber dass es sich hierbei um Ware handelt, die eigentlich keine Ware mehr war, sondern gesellschaftlich als Abfall gedeutet wurde, sollte schon ins Bewusstsein vordringen.

Ich denke hier unwillkürlich an meinen Vater, der sich immer schrecklich auf...



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