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Disneyland im Allgäu

Unweit von Schloss Neuschwanstein ist ein Freizeitpark geplant - vor Ort sind nicht alle begeistert

  • Von Birgit Ellinger, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Allgäu im Miniaturformat: Demnächst sollen Urlaubsgäste die Besonderheiten der Ferienregion kompakt auf sieben Hektar erleben können. Das geplante »Allgäuer Dorf« ist jedoch umstritten.

Füssen. Ein kleines Dorf im Allgäu sorgt für mächtig Diskussionsstoff - und das, obwohl es dieses Dorf noch gar nicht gibt. Erst 2014 soll es in Füssen errichtet werden. »Allgäuer Dorf« nennt sich die geplante Touristenattraktion unweit von Schloss Neuschwanstein, die vor allem Familien mit Kindern anlocken soll.

In dem Park mit Hotel, Appartements und Gastronomie sollen die Besonderheiten der Region, ihre Geschichte und Traditionen dargestellt werden. Füssens Bürgermeister Paul Iacob (SPD) ist überzeugt von dem Projekt. »Das Allgäu ist eine wunderschöne Region mit einer tollen Geschichte. Das wollen wir darstellen - und zwar mit Erlebnischarakter.«

Kritiker sehen in dem künstlichen Dorf einen Etikettenschwindel und befürchten eine Art Disneyland. Sieben Hektar hat die Wiese am westlichen Forggensee-Ufer, auf der eine Tiroler Projektentwicklungsgesellschaft mit Hilfe privater Investoren das »Allgäuer Dorf« errichten will. Was es dort im Einzelnen zu sehen geben wird, ist noch ungewiss. »Eine detaillierte Planung gibt es noch nicht«, sagt Iacob. Aber jede Menge Ideen. So soll das Feriendorf in verschiedenen Allgäuer Baustilen errichtet werden. In den Häusern könnten sich das heimische Handwerk, die Regionalküche sowie die Bereiche Sport, Kultur und Gesundheit präsentieren, sagt der Bürgermeister. »Man könnte zum Beispiel zeigen, wie Käse gemacht wird, wie der Glasbläser oder Schmied im Allgäu früher gearbeitet hat und wie sich das Skifahren in der Region entwickelt hat.«

Darüber hinaus schwebt Iacob eine kleine Kapelle vor, in der Trauungen stattfinden könnten. Auch ein Rathaus, in dem sich die Orte der Region mit ihren Besonderheiten vorstellen, dürfe nicht fehlen. Das Leben im »Allgäuer Dorf« soll im Kleinen widerspiegeln, was die Region zu bieten hat. Veranstaltungen im nahen Festspielhaus und ein direkter Zugang zum Forggensee mit Schifffahrt und Bademöglichkeiten könnten die Sache abrunden, sagt Iacob.

Den Heimatpflegern sind die Pläne ein Dorn im Auge. Sie verwenden im Zusammenhang mit dem Projekt Begriffe wie Disneyland und Murks. »Wenn man den Eindruck erweckt, das ist ein Allgäuer Dorf, dann ist das Vorspiegelung falscher Tatsachen«, sagt Karl Stiefenhofer, Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu. »Es gibt so viele Allgäuer Dörfer - und jedes sieht anders aus und hat einen eigenen Charakter.« Den Gästen werde vorgegaukelt, sie bräuchten nach dem Besuch in Füssen nicht mehr durch die Region zu fahren. »Dabei wird es nur ein Musterdorf, eines aus der Retorte sein.«

Projektentwickler Erwin Trimmel kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Sein Team arbeite sehr eng mit den Kommunen im Allgäu zusammen, sagt er. Wenn es nach den Plänen der Gesellschaft geht, soll 2014 mit dem Bau begonnen werden. Im Herbst 2015 oder Frühjahr 2016 könnte das Dorf eröffnet werden. Geschätzte Kosten: 50 bis 60 Millionen Euro.

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