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Filme für die Ohren

»Radio Zukunft« - Tage der Audiokunst in der Akademie der Künste

  • Von Marc Hairapetian
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am 30. November 2012 verstarb der Hörspielmacher Konrad Halver. Seine »Europa«-Schallplatten und -Kassetten genießen längst Kultstatus. Unzählige Kinder aus der Bundesrepublik sind seit Ende der 1960er Jahre mit seinen Weltliteratur- und Märchen-Adaptionen aufgewachsen. 1969 inszenierte er das erste »Dracula«-Hörspiel. Seine Comic-Komödie »Mopsy Mops« wurde in einem Internet-Forum zum besten Hörspiel aller Zeiten gewählt. Und als Stimme Winnetous begeisterte er nicht nur die Jugend im Westen, sondern auch in der DDR: Eingeschmuggelte Tonträger seiner Produktionen waren heiß begehrt. Halver war als Hamburger Hörspiel-Komissar »Dobranski« auf CDs und in Live-Shows bis zuletzt aktiv - doch das Festival »Radio Zukunft - Tage der Audiokunst« in der Akademie der Künste (AdK) würdigte ihn mit keiner Silbe.

Das ist umso erstaunlicher, als zwei weitere Protagonisten des legendären »Europa«-Plattenlabels, das bis heute den öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Hörspielen gehörig Konkurrenz macht, beim »Tag des Rezipienten« über ihre »Erfolgsstory« und den »Kontakt mit dem Hörer« befragt wurden: Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich sind als Peter Shaw und Bob Andrews zwei Drittel der »Drei ???«, die seit nunmehr 35 Jahren Kriminalfälle lösen.

Bis auf den Umstand, dass Halver vergessen wurde, konnte sich »Radio Zukunft« - das trotz seines programmatischen Namens auch Kaufhörspiele nicht ausklammert, die gar nicht im Radio laufen - wirklich sehen, pardon: hören lassen. Die ehemalige »Woche des Hörspiels«, die seit 1986 in der AdK stattfand, bis sich 2004 der Hauptsponsor ARD zurückzog und seine eigenen »Hörspieltage« erst in Köln und nun in Karlsruhe aufzieht, ist also zurück. Zwar nur vier Tage lang, aber dafür mit Veranstaltungen von zehn Uhr morgens bis weit nach Mitternacht - und vielen illustren Gästen: etwas divenhaft der Auftritt von Theaterregisseur Robert Wilson, dessen lediglich halbstündige »My Vision of Radio« am »Medienpolitischen Tag« unklar blieb. Provokanter die Performance von Ex-Goldene-Zitronen-Sänger Schorsch Kamerun, der ausgehend von seinem neuesten Hörspiel die Frage aufwarf, ob in Zeiten des Internet Radiosender und Hörer noch einmal zueinander finden können.

Nachdem in Panels neue Trends wie Audio Apps und Dolby Surround 5.1 bei Hörspielproduktionen untersucht wurden oder Dietmar Dath bei seinem zugkräftig »50 Shades of Grey« betitelten Vortrag über die mediengeschichtlichen Schwierigkeiten akustischer Drastik von Horror bis Porno referierte, konnte man sich in der Reihe »Nostalghia« von nicht immer fruchtbaren Diskussionen erholen und mit dem ebenfalls 2012 verstorbenen SWF-Hörspielleiter und AdK-Mitglied Hermann Naber gewidmeten Hörspielklassikern entspannen.

So war Max Ophüls' akustische Umsetzung von Arthur Schnitzlers »Berta Garlan« 1956 der vielleicht erste »Hörfilm«, der einst nur im Radio gesendet, später auch als Tonträger im Handel war - ein Brückenschlag zwischen öffentlich-rechtlichem Auftrag und kommerzieller Auswertung. In puncto (räumlicher) Inszenierung, Einsatz von Musik und Sprechern (wie Käthe Gold, Bernhard Wicki und Kurt Meisel) können sich viele heutige Hörspiele, so auch die der ARD-Sender, die in der »Hörtheke« jeweils drei ihrer Neuproduktionen vorstellten, eine Scheibe davon abschneiden.

Der rege Besucherzuspruch des Festivals zeigt: Die Menschen sind trotz optischer Reizüberflutung noch in der Lage, (in sich hinein) zu hören. Man darf auf eine Fortsetzung von »Radio Zukunft« im nächsten Jahr gespannt sein.

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