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Die neue Strategin

Spielmacherin Dzsenifer Marozsan führte die deutschen Fußballerinnen ins Finale des Algarve-Cups

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Es ist nicht die ganz große Bühne, auf der sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen gerade verdingt. Und doch ist der Algarve-Cup mal wieder trefflich geeignet, um in Freudenstimmung zu geraten. Jedenfalls ließen die Reaktionen im Estadio Muncipal von Lagos nach dem 2:0 (0:0) gegen Norwegen und dem Finaleinzug erahnen, dass eine Titelverteidigung bei dem Turnier mit Testcharakter viel Wert ist. »Hier messen wir uns mit den besten Teams. Deshalb ist der Algarve-Cup so wichtig«, sagt Dzsenifer Marozsan.

Die 20-Jährige hat gestern zwar kein Tor geschossen hatten - Celia Okoyino da Mbabi (52.) und Nadine Keßler (87.) trafen -, sie war aber an in ihrem erst 14. Länderspiel an fast allen Torszenen beteiligt. Sie verzeichnete einen Pfostenschuss und leitete mit einem Doppelpass den Führungstreffer ein. »Ich fühle mich wohl, bin gut drauf, und das kann ich ganz gut abrufen«, sagt Marozsan. Dass die deutsche Elf auch dem EM-Turnier in Schweden hoffnungsvoll entgegenblickt, hat viel mit der neuen Spielmacherin zu tun, die Bundestrainerin Silvia Neid in Portugal in jeder Partie auf die zentrale Position stellte.

Im Grunde verkörpert die exzellente Technikerin Marozsan jenen Spielertyp, der bei der Heim-WM so schmerzlich vermisst wurde. Eine torgefährliche Taktgeberin, die einerseits die Bälle verteilt, andererseits den Abschluss sucht - so beschreibt die in Budapest geborene Fußballerin selbst ihre Vorzüge. 2011 war dieser Part noch Birgit Prinz gewidmet, die damals beinahe tragisch von der deutschen Fußballbühne schied.

Tragisch aber auch, was sich bei Dzsenifer Marozsan abspielte. Noch heute spricht die junge Frau sehr leise, wenn sie über besagten WM-Sommer sinniert. »Ich habe fast alle Spiele gesehen, aber von Spanien aus im Fernsehen. Ich hätte irgendwie nicht in Deutschland sein können.« Wegen einem Innenbandriss im Knie versäumte sie ausgerechnet das aufgemotzte Event im eigenen Land. »Ich war am Boden und bin dann in den Urlaub gefahren.«

Mit der Familie, wie immer in schwierigen Zeiten. Ihr Vater János wechselte einst als ungarischer Nationalspieler zum 1. FC Saarbrücken und zog deshalb nach Deutschland. Tochter Dzsenifer eiferte dem väterlichen Vorbild nach und debütierte mit 14 Jahren und sieben Monaten für den 1. FC Saarbrücken in der Frauen-Bundesliga. Sie war jüngste Bundesliga-Torschützin, bald Torschützenkönigin der U17-EM und -WM, später U20-Weltmeisterin, und im vergangenen Jahr kam sie mit dem Goldenen Ball als beste Spielerin der U20-WM zurück. Den Titel »Jahrhunderttalent« mag sie aber nicht mehr hören. »Ein Länderspiel bei den Frauen ist in Sachen Tempo und Athletik etwas ganz anderes. Die EM in Schweden ist mir sehr, sehr wichtig. Das soll mein erstes großes Turnier beim A-Team sein.«

Das Vertrauen der Trainerin zahlt sie gerade zurück: Gegen Weltmeister Japan (2:1) gelang ihr am Freitag der Siegtreffer mit einem Kunstschuss aus 50 Metern. »Da war ich selbst überrascht, denn so war das nicht gewollt. Der Wind hat geholfen, und es war ein riesiger Torwartfehler.« Aber es gibt nicht so viele, die so hart und präzise schießen können. Dzsenifer Marozsan, und das ist anders als früher, redet lieber über das, was sie verbessern müsse: Kopfballspiel, Athletik oder Antritt.

Beim nächsten Heimspiel ihres 1. FFC Frankfurt am Sonntag wird auch der Papa wieder im Stadion auf der Tribüne sitzen. Immerhin steht das emotional stets aufgeladene Duell mit Turbine Potsdam an. »Das Spiel ist für uns wie ein Finale«, sagt Marozsan. Dann spielt sie also gleich zwei Endspiele binnen fünf Tagen.

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