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Kaltblütig oder unzurechnungsfähig

US-Kinoschütze vor dem Richter

  • Von Gabriele Chwallek, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

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Ist der Kinoschütze von Aurora ein kaltblütiger Mörder oder unzurechnungsfähig? Heute wird Holmes erstmals offiziell die Anklagepunkte gegen sich hören.

Für Steve Hernandez ist klar, wohin der Angeklagte gehört. »Geh zur Hölle, Holmes«, rief er im Januar im Gerichtssaal in Centennial (US-Staat Colorado). Bezirksrichter William Sylvester hatte entschieden, die offizielle Anklageverlesung gegen James Holmes um zwei Monate zu verschieben - eine qualvolle Verzögerung für Hernandez, dem der heute 25-Jährige die Tochter genommen hat.

Hernandez' Tochter Rebecca, eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, gehört zu den zwölf Menschen, die Holmes am 20. Juli 2012 Jahres während einer »Batman«-Filmpremiere in Aurora erschossen hat. Die Kugeln verletzten 58 weitere Kinobesucher.

Heute soll die Anklage schließlich verlesen werden. Meistens sind solche Prozeduren reine Routine. Aber diese ist anders, nicht nur wegen des schrecklichen Ausmaßes dieser Bluttat, das sich auch in der langen Liste der Anklagepunkte widerspiegelt. 166 sind es, allen voran Mord und versuchter Mord. Darüber hinaus wird erwartet, dass die Verteidiger zum ersten Mal ihre Strategie für den bevorstehenden Prozess enthüllen.

Vermutungen gehen dahin, dass Holmes' Anwälte auf »nicht schuldig wegen Unzurechnungsfähigkeit« plädieren werden. Kämen sie damit durch, würde ihr Mandant in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, bis Gutachter ihn für gesund genug zur Freilassung erklären - was vielleicht nie geschieht. Die Alternativen wären lebenslange Haft oder Hinrichtung mit der Giftspritze. Die Staatsanwaltschaft hat noch nicht publik gemacht, ob sie die Todesstrafe für Holmes beantragen wird.

Niemand bezweifelt, dass Holmes das Blutbad begangen hat - auch wenn er als unschuldig gelten muss, so lange er nicht schuldig gesprochen ist. Holmes wurde direkt im Kino gefasst. Und es gibt Zeugenaussagen, grausig, schockierend. Blut überall im Kinosaal, regungslose Körper - und ein Schütze, der nach dem Massaker keine Regung gezeigt haben soll. »Es war, als ob es überhaupt keine normalen gefühlsmäßigen Reaktionen bei ihm gebe«, erzählte ein Polizist in einer gerichtlichen Anhörung. Die Staatsanwaltschaft wertet dies als Zeichen für eine schier unfassbare Kaltblütigkeit des Amokläufers. Sie beschreibt Holmes als Waffennarren, der seine Tat über Monate geplant habe.

Längst bekannt ist, dass Holmes vor dem Massaker in psychiatrischer Behandlung war, also möglicherweise ein schwer gestörter Mensch ist. Leicht würde es aber nicht für die Holmes-Anwälte, Unzurechnungsfähigkeit nachzuweisen, sagen Experten. Nicht zufällig werde eine solche Verteidigungsstrategie nur in einem Prozent alles Strafprozesse angewendet - und nur in einem Viertel dieser Fälle sei sie erfolgreich, so Psychiatrie-Forensiker Steven Pitt.

Holmes selbst hat sich im Gerichtssaal bisher nicht zu Wort gemeldet. Laut Augenzeugen verfolgte er die bisherigen Prozeduren stets mit ausdruckslosem Gesicht.

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