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Ingenieur statt Pfleger

Sachsen droht Personalmangel im Sozialbereich

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wohlfahrtsverbände in Sachsen warnen vor Personalmangel in der Altenpflege. Der Bedarf an Pflegekräften wird stark steigen. Mit Geld kann man den Nachwuchs bisher nicht locken.

Sachsen gilt als Land der Ingenieure. Hier werden Autos konstruiert, Chips ersonnen und edle Uhren montiert. Eine »einseitige Fokussierung« auf den Ruf als Technikschmiede aber sei »gefährlich«, sagt Rüdiger Unger, Vorsitzender der Liga der freien Wohlfahrtsverbände. Sie lenkt davon ab, dass es auch viel Arbeit in anderen Bereichen gibt, etwa bei der Pflege von Alten und Bedürftigen. Und auch diese benötigen dringend beruflichen Nachwuchs.

Schon heute ist der Sozialbereich die zweitstärkste Branche in Sachsen, und sie muss kräftig zulegen. Grund dafür ist der wachsende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung. 2020 wird jeder zweite Sachse älter als 65 Jahre sein. Der Freistaat sei, so steht im am Dienstag vorgelegten fünften Wohlfahrtsbericht, »das Bundesland, das am schnellsten altert«. Auch wenn man davon ausgeht, dass die Pflegebedürftigkeit erst ab dem 85. Lebensjahr deutlich zunimmt, dürfte sich die Zahl der Betroffenen, die zuletzt bei 132 000 lag, deutlich erhöhen - um 46 Prozent, schätzt Unger. Vor allem die Nachfrage nach ambulanter Pflege wird wachsen: zum einen, weil weniger Menschen in ein Heim ziehen wollen, zum anderen, weil wohl weniger als heute in der Familie gepflegt werden können.

Für mehr Pflege benötigt man indes mehr Altenpfleger und -pflegerinnen. Sind heute in der Branche etwa 40 000 Menschen beschäftigt, müssten bis 2030 weitere 30 400 Vollzeitstellen dazu kommen, heißt es in dem Bericht. Wo die Beschäftigten herkommen sollen, ist aber unklar. Schon heute können freie Stellen oft nicht besetzt werden. Abiturienten, die einst ein Drittel der Berufseinsteiger stellten, orientieren sich zunehmend in andere Bereiche. Die Lücke sollen Mittelschüler füllen. Allerdings müssten dazu die Hürden für den Berufseinstieg gesenkt werden, etwa, indem zunächst die Möglichkeit geschaffen wird, einen »Pflegehilfsberuf« zu ergreifen. Die Verbände verhandeln darüber mit dem Kultusministerium.

Es gibt aber nicht nur juristische Hürden, sondern auch finanzielle. Pflegekräfte verdienen in keinem Bundesland so wenig wie in Sachsen. Die Entgelte liegen um zwölf Prozent unter dem Bundesdurchschnitt; auch hinter den anderen Ostländern hinkt Sachsen her. Dazu, wie das geändert werden kann, sollten »unbedingt strategische Überlegungen angestellt werden«, heißt es in dem Bericht. Von einem gesetzlichen Mindestlohn hält Unger dennoch nichts.

Dabei ist die Arbeit, die für derart wenig Geld erledigt werden muss, anspruchsvoll - und »wenig familientauglich«, wie Unger einräumt. Die Beschäftigten, zumeist Frauen, sind mehrfach am Tag nur für jeweils ein paar Stunden unterwegs - bei Wind und Wetter von frühmorgens bis nachts. Das seien »keine Arbeitsbedingungen, die attraktiv sind«, sagt Unger - zumindest im Vergleich zu denen von anständig verdienenden Ingenieuren und Technikern.

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