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Im Zeichen der Palme

Die einzige Thüringer Literaturzeitschrift wird 20 Jahre alt - gefeiert wird mit einer Ausstellung in Jena

Die Macher der Thüringer Literaturzeitschrift »Palmbaum« feiern deren 20. Geburtstag. In der Jenaer Villa Rosenthal zeigt derzeit eine Ausstellung sowohl die originalgrafischen Entwürfe als auch die Andrucke der Heft-Einbände seit 2005.

Mitten in einer Landschaft, die mit ihren Nadelbäumen und Hügeln als »thüringisch« verortet werden kann, steht einsam eine große Palme. Das exotische Gewächs ist das Markenzeichen der einzigen Thüringer Literaturzeitschrift »Palmbaum«, die gerade ihren 20. Geburtstag feiert. Der von dem Weimarer Künstler Walter Sachs gestaltete Umschlag kann in mehrfacher Hinsicht als programmatisch betrachtet werden - jedes Journal trägt die individuelle Handschrift eines Künstlers aus der Region, der seine Gedanken und gestalterischen Vorstellungen mit hinein legt.

Auf dem beschriebenen Umschlag hat sich das Pflänzchen gegenüber einheimischen Gehölzen durchgesetzt und ist zu einem beachtlichen Solitär herangewachsen. In einer Ausstellung in der Jenaer Villa Rosenthal zeigt der Verlag anlässlich des Jubiläums die originalen Einbandentwürfe und die Andruckbögen, die sich wie das »Who is Who« der Thüringer Maler, Bildhauer und Grafiker lesen lassen: Horst Sakulowski, Kay Voigtmann, Horst-Peter Meyer, Ulrich Panndorf und Gerd Mackensen sind einige davon.

Die grafischen Blätter machen jedes der 200 Seiten starken Hefte zu einem Unikat, das den Blick anzieht und sich von anderen Zeitschriften unterscheidet. So schuf Stefan Knechtel zum Titelthema »Literarische Vereine und Gesellschaften in Thüringen« einen Holzschnitt mit einer südlichen Landschaft, einem Arkadien, in der die Musen wohnen. Im Innern führt Redakteur Jens-Fietje Dwars ein Gespräch mit dem Altenburger Künstler, der Erfahrung als Buchillustrator für Wolfgang Hilbig und Lutz Seiler gesammelt hat: »Wenn mich Texte, Gedanken ansprechen, wenn sie sich in meiner Bildwelt zu Hause fühlen, kann ich darauf reagieren.« Als Gast aus dem Sächsischen war Karl-Georg Hirsch eingeladen, den Umschlag des gerade erschienenen Heftes zum Thema »Buchkunst« zu gestalten.

Als der habilitierte Literaturwissenschaftler Detlef Ignasiak das literarische Journal »Palmbaum« 1993 gründete, stand die Buchkunst noch nicht im Vordergrund. Er wollte ein qualitativ hochwertiges Forum für Thüringer Autoren schaffen, für Erstveröffentlichungen verschiedenster Texte. Genügend Potenzial war vorhanden, doch das neue Heft musste sich erst einen Namen machen. »Die großen Autoren haben das Format einer Thüringer Literaturzeitschrift am Anfang abgelehnt. Jetzt haben alle schon veröffentlicht«, erzählt der Verleger, der mit viel Idealismus 20 Jahre lang durchgehalten hat.

»Es gibt ungeheuer viele Schreibende, doch nur wenige können davon leben«, schildert Ignasiak die aktuelle Situation. Überregional bekannt sind wenige, darunter Hausautor Matthias Biskupek. Der »Palmbaum« bildet die gesamte Szene ab und stellt Autoren vor, die ihren Weg in den Literaturbetrieb noch suchen. Die Idee, Literatur mit bildender Kunst zu verknüpfen und namhafte Künstler für die Einbandgestaltung zu gewinnen, entstand 2005. Mit Andreas Berner konnte ein Künstler gewonnen werden, der mit seiner subtilen Arbeit Neugier auf den dahinter liegenden Inhalt erweckt.

Besonders - vor allem was Witz und Ironie anbelangt - sollte das 50. Heft gestaltet werden. Als geeigneter Künstler erwies sich der Geraer Kay Voigtmann, der Bücher für Ingo Schulze und Jens Sparschuh illustriert hat. Ein zweiköpfiger Pegasus steht in der Dunkelheit. Auf ihm eine Don-Quijote-Figur, die verstohlen auf den Leser blickt. Abheben kann diese Gruppe nicht. Aber den Platz halten, den der »Palmbaum« schon so lange behauptet.

»Im Zeichen der Palme« - Ausstellung in der Villa Rosenthal noch bis zum 18. April; Jena, Mälzerstraße 11, Tel: 03641-498271; Informationen im Netz mit hinweisen zum Rahmenprogramm unter www.villa-rosenthal-jena.de

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