»Zeit, die Waffen schweigen zu lassen«

Kurdenführer Öcalan ruft PKK-Kämpfer zum Rückzug auf

Diyarbakir (Agenturen/nd). Der inhaftierte kurdische Rebellenführer Abdullah Öcalan hat am Donnerstag eine Waffenruhe im Kurdenkonflikt ausgerufen. Es sei »Zeit, die Waffen schweigen zu lassen«, hieß es in einem Aufruf des Gründers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der im südostanatolischen Diyarbakir vor Hunderttausenden verlesen wurde, die sich in Erwartung der Botschaft zum kurdischen Neujahrsfest versammelt und seit dem Morgen ausgeharrt hatten. Die Kämpfer seiner PKK rief Öcalan zum Rückzug aus der Türkei auf.

»Die Zeit ist gekommen, um der Politik den Vorrang zu geben«, erklärte Öcalan. »Wir sind in einem Stadium angekommen, in dem die Waffen schweigen und sich unsere bewaffneten Elemente aus der Türkei zurückziehen sollten.« Öcalans Erklärung wurde von einem Abgeordneten der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie verlesen.

»Ich sage das vor Millionen Menschen, die meinem Aufruf zuhören«, hieß es in Öcalans Erklärung weiter. Nun beginne eine neue Ära, in der »die Politik vorherrscht und nicht die Waffen«. Die Periode des bewaffneten Widerstands habe die Tür zum demokratischen Prozess geöffnet. »Die Opfer wurden nicht umsonst gebracht«, fügte Öcalan hinzu. Seit Beginn des Konflikts im Jahr 1984 wurden mehr als 45 000 Menschen getötet. »Dies ist nicht das Ende des Kampfes - es ist der Beginn eines neuen Kampfes.«

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan begrüßte den Friedensaufruf als »sehr positiv«. »Das Wichtigste ist, wie er umgesetzt und ausgeführt werden kann«, sagte er in Den Haag. Innenminister Muammer Güler erklärte, Öcalan habe die »Sprache des Friedens« gewählt. In der vergangenen Woche hatte die PKK vor dem Hintergrund der Friedensgespräche bereits acht türkische Gefangene freigelassen, die in Nordirak festgehalten wurden. Interview Seite 4

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