Die Jüngsten erheben ihre Stimme

»Gebt uns Rechte und lasst uns arbeiten!« - In Bolivien haben Kinder ihre eigene Gewerkschaft

  • Von Thomas Guthmann und Ana Salazar Tórrez
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Wenn die Fußgängerzone, die Comercio, in Boliviens Metropole La Paz zum Leben erwacht, hat Guillermo bereits lange seinen Schlaf aus den Augen gerieben. Seit den frühen Morgenstunden war er unterwegs, um aus der Vorstadt ins Stadtzentrum zu fahren. Jetzt sitzt er in der Fußgängerzone an der Ecke zur Avenida Ayacucho auf einem Schemel, eine Skimütze über das Gesicht gestülpt, seine mit Schuhcreme verschmierten Hände umklammern eine abgewetzte Bürste. Immer wieder streckt er den Arm aus und deutet auf das Schuhwerk vorbeihastender Geschäftsleute und Touristen.

Seit einiger Zeit arbeitet der Dreizehnjährige als Schuhputzer. Das Geld, das er verdient, trägt zum familiären Einkommen bei: »Für die normale Reinigung verlange ich ein Boliviano (etwa zehn Eurocent), wenn die Schuhe sehr schmutzig sind, nehme ich anderthalb« meint der schmächtige Junge mit den dunklen Gesichtszügen. Manchmal stecken ihm die Kunden mehr Geld zu, dann ist...


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