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Poker an der East Side Gallery

Tauschgrundstücke für Investoren händeringend gesucht

Geht es nach den Berlinern, wird der Uferstreifen an der East-Side-Gallery nicht bebaut. Nachdem sich schon 2008 die Friedrichshainer und Kreuzberger in einem Bürgerentscheid gegen die Bebauung ausgesprochen hatten, kam jetzt eine Umfrage unter allen Berlinern zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach sind 75 Prozent der Berliner gegen die Bebauung, wenn dafür Mauerteile abgerissen werden müssten, wie die Forsa-Umfrage im Auftrag der »Berliner Zeitung« ergab.

Doch ob ihrem Willen entsprochen wird, ist weiterhin höchst ungewiss. Alles hängt von einem Tauschgrundstück ab, auf dem nicht nur der Investor Maik Uwe Hinkel den umstrittenen Wohnturm, sondern auch der israelische Investor Alon Mekel seinen direkt daneben geplanten Hotel- und Büroriegel realisieren kann. »Wenn es eine Tauschlösung gibt, dann für alle beide. Sonst macht das alles keinen Sinn«, so Antje Kapek, Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus.

Kapek und der Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) trafen sich gestern mit Hinkel, um über den Grundstückstausch zu sprechen. Bisher hatte der Investor einen solchen immer abgelehnt, jetzt betont er seine Bereitschaft dazu. »Das ist aber eine theoretische Diskussion, noch wurde uns vom Senat keine Ersatzfläche angeboten«, so Hinkels Sprecher Volker Thoms.

Offenbar hat er auch schon eine ganz konkrete im Blick, über die gestern bei dem Treffen auch gesprochen würde. Dazu äußern wollte sich gestern gegenüber »nd« keiner der Beteiligten. Das Grundstück soll aber groß genug sein, um sowohl den 64 Meter hohen Wohnturm als auch das bis zu 120 Meter lange Hotel zu realisieren. Es handele sich aber nicht um das Gelände an der Schillingbrücke, das in den vergangenen Tagen im Gespräch war und auf dem sich bisher der Club Maria befand. Das wäre für beide Projekte zu klein, sagte Kapek. Außerdem ist dieses Grundstück bereits dem Kultur-projekt Yaam versprochen, das seinen Standort gegenüber dem Ostbahnhof aufgeben muss.

Ein gleichwertiges Grundstück zu finden, sei »wahnsinnig schwierig«, so Hinkels Sprecher. Dabei gehe es nicht nur um die Lage an der Spree, sondern auch die Anbindung sowie andere Voraussetzungen. »Und dass wir schon Wohnungen verkauft haben, macht die Lage nicht einfacher«, so Thoms. Der Investor erwartet offenbar auch eine finanzielle Kompensation für den Bauverzug, der bei einem Grundstückstausch eintreten würde.

Heute soll es in der Senatskanzlei ein weiteres Krisentreffen zu dem Thema geben. Senatssprecher Richard Meng wollte den Termin gestern nicht bestätigen. Sollte es keine Lösung für das Grundstücksproblem geben, wackelt auch die vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vorgeschlagene Kompromisslösung, das Wohnhochhaus über das Grundstück des zweiten Investors zu erschließen und so wenigstens den einen Mauerdurchbruch zu verhindern. Dies sei technisch sehr schwierig, hieß es gestern. Klappt es nicht, müsste für das Wohnhochhaus doch noch ein 22 Meter breites Stück East Side Gallery versetzt werden.

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