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Nah am Weltrekord

Hertha BSC feiert den Sieg im Spitzenspiel gegen Eintracht Braunschweig, Matchwinner Ronny und dessen Vertragsverlängerung

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

In gewisser Weise ist Ronny ein Weltstar. Ja genau, der brasilianische Mittelfeldspieler von Hertha BSC, seit 2010 in Berlin, der sich in seinen ersten zwei Jahren in der Hauptstadt nur einen Namen als kleiner Bruder des Spielmachers Raffael gemacht hatte. Bisweilen launisch, meist übergewichtig kam er daher. Klangvoll war nur sein Vollname: Ronny Heberson Furtado de Araújo. Und eben dieser steht seit dem 26. November 2006 in den Geschichtsbüchern des Weltfußballs. Für Sporting Lissabon erzielte Ronny an jenem Tag ein Freistoßtor, geschossen mit 210,9 Kilometern pro Stunde - Weltrekord. Es blieb sein einziger Treffer in drei Jahren im Trikot des portugiesischen Traditionsklubs.

Zumindest in Berlin ist der 26-Jährige mittlerweile ein kleiner Star. Am Montagabend hatte er im Olympiastadion einen ganz großen Auftritt. Der erste Teil einer perfekten Inszenierung war die Verkündung seiner Vertragsverlängerung bis 2017. Sie versetzte die vielen Fans von Hertha BSC unter den 51 000 Zuschauern schon vor Beginn des Spiels gegen Eintracht Braunschweig in Verzückung.

Teil zwei besorgte Ronny dann selbst. Nach 34 Minuten landete sein erster direkter Freistoß, leicht abgefälscht, zur Berliner Führung im Tor. Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel bediente er Adrian Ramos mit einem gefühlvollen Außenristpass. Der Stürmer vollendete zum 2:0. In der 76. Minute hämmerte Ronny einen weiteren Freistoß zum 3:0-Endstand ins Netz. Genaue Messungen liegen noch nicht vor, die Geschwindigkeit könnte aber zumindest in die Nähe seines Weltrekordschusses vor sechseinhalb Jahren kommen.

»Ich bin sehr glücklich«, ließ Ronny seinen Dolmetscher später übersetzen. Aus einem hektischen Tag sei ein perfekter Tag geworden. Hertha BSC gelang im Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten ein sehr souveräner Sieg. Der Spitzenreiter baute seinen Vorsprung auf Eintracht Braunschweig auf vier Punkte aus und liegt nun schon 14 Punkte vor dem Dritten Kaiserslautern. Der Aufstieg ist nur noch Formsache. Und gefeiert wurde nach Spielende vor der Ostkurve vor allem Ronny.

Die Hektik an diesem Montag hätte sich jedoch vermeiden lassen, war sie doch den Verhandlungen um den am Saisonende auslaufenden Vertrag des Brasilianers geschuldet. Aber wie es sich nun einmal für einen Star, wenn auch nur einen kleinen, gehört, liefen sie zäh. Treuebekundungen und Wechselabsichten ersetzten sich fast täglich. Noch vor wenigen Tagen hatte Ronnys Berater Dino Lamberti einen Abschied aus Berlin realistischer als einen neuen Kontrakt genannt.

Sicher, Ronny hatte in diesem Pokerspiel die besten Karten. Mit 16 Toren, darunter fünf per Freistoß, und 13 Torvorlagen ist er der überragende Spieler in der 2. Liga. Doch genau betrachtet, ist diese Saison die erste wirklich überzeugende in seiner fast siebenjährigen Profikarriere. Vielleicht wollte er daraus schnell Kapital schlagen. Denn wer weiß, was die Zukunft bringen wird. Den Beweis, auch im Erstligafußball eine tragende Rolle spielen zu können, ist er bisher noch schuldig geblieben.

Aber scheinbar hat sich der begnadete Linksfuß unentbehrlich gemacht. Hertha BSC dürfte mit der Vertragsverlängerung jedenfalls ein finanzielles Wagnis eingegangen sein. Dieses tiefe Vertrauen in den Mittelfeldspieler liegt aber noch in einer anderen Personalie begründet: Trainer Jos Luhukay. Dem schnauzbärtigen Niederländer sind Allüren fremd und zuwider. Unvergessen ist sein Auftritt nach dem zweiten Spieltag dieser Saison, als Hertha beim FSV Frankfurt verloren hatte: »Viele meinen hier, sie sind schon groß. Aber das sind sie nicht.« Mit klaren Worten und seiner verbindlichen sowie geradlinigen Art hat Luhukay den Nerv getroffen. Den von Ronny ganz bestimmt. Und auch den von Hertha BSC. Denn Demut war noch nie die größte Stärke des Klubs.

»Das Ziel kommt immer näher«, freute sich Luhukay über den Sieg. Voreilige Aufstiegsgratulanten wimmelte er wie immer ab. Aber auch er schwärmte von »einem fantastischen Tag«.

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