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Kein schwedisches Modell?

Mikael Nyberg ist schwedischer Journalist und Autor des Buchs »Der große Zugraub«

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nd: Bei der jüngsten Anhörung der Linksfraktion im Europaparlament zum Vorschlag der EU-Kommission für eine weitere Bahn-Liberalisierung haben Sie vor einer Nachahmung des »schwedischen Modells« gewarnt. Warum?
Nyberg: Was der EU-Kommission europaweit vorschwebt, wurde bei uns vor 25 Jahren eingeleitet: Liberalisierung im Eisenbahnsektor, strikte Trennung von Netz und Transportbetrieb, Zerschlagung der integrierten Staatsbahn SJ. Als Aktiengesellschaft im Staatsbesitz betreibt die SJ noch die Mehrheit der Züge. Sie hat aber fast alle anderen, für den Betrieb notwendigen Unternehmensbereiche an profitorientierte Private verloren.

Was sind die Folgen?
Weil alles dem Ausschreibungswettbewerb unterliegt und so der billigste Anbieter den Auftrag kommt, leiden Qualität, Sicherheit und Arbeitsbedingungen. Verspätungen, Pannen und Störungen häufen sich, Toiletten und Sitzwagen sind oft schmutzig. 1965 gab es landesweit 30 Dieselloks mit Schneepflug, 2011 nur noch 10. Der Rest wurde aus Kostengründen verschrottet. Dies steigert das Winterchaos.

Die EU-Kommission behauptet, Wettbewerb bringe mehr Effizienz als unter der alten Behördenbahn.
Wir erleben das Gegenteil. Während die direkten Instandhaltungskosten der Infrastruktur durch Personalabbau und Leistungsverdichtung gesunken sind, haben sich die indirekten Betriebs- und Wartungskosten in sieben Jahren glatt verdoppelt. Dazu gehören höhere Kosten für Energie und Kommunikation zwischen privaten Unternehmen, weil das System Schiene enge Kooperation zwischen den Betreibern braucht. Unterm Strich haben wir weniger Beschäftigte im Betrieb und immer mehr Verwaltungskräfte, die versuchen, gegenseitig Kosten zu berechnen und zu senken. Also nicht weniger, sondern mehr Bürokratie.

Wie nimmt die Öffentlichkeit die Probleme wahr?
Kritisch, aber die meisten Menschen verstehen die konkreten Zusammenhänge und Mechanismen nicht und sehen bei Verspätungen die Schuld nur bei der SJ. Das stimmt manchmal, oft liegen die Gründe aber beim Infrastrukturbetrieb, der Wartungsgesellschaft oder einer Privatbahn. Mein Buch soll die Hintergründe und das System besser ausleuchten.

Und die Gewerkschaften?
Die Weichenstellung pro Liberalisierung nahm 1988 die sozialdemokratische Partei (SAP) vor. Sie zog die Gewerkschaften mit ins Boot, die damals den Verheißungen Glauben schenkten. Jahrelang machte man sich die Hoffnung, dass die SJ in einem liberalisierten europäischen Markt expandieren könnte.

So wie der schwedische Staatskonzern Vattenfall auf dem bundesdeutschen Energiemarkt?
Genau. Die Erfahrungen haben bei den Gewerkschaften ein Umdenken bewirkt. Auch an der Basis der SAP gibt es breite Kritik an der Privatisierungspolitik, aber die Führung hängt an den neoliberalen Illusionen.

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihren Untersuchungen?
Ich empfehle: Studiert das schwedische Marktchaos, es war ein Fehlschlag. Eisenbahnen brauchen Koordination und Planung.

Fragen: Hans-Gert Öfinger

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