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Bahnhöfe wieder unterm Hammer

Ursprüngliche Käufer konnten ihre Renditeziele offenbar nicht erreichen

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Am Montag wurden beim Berliner Auktionshaus Karhausen ehemalige Bahnhofsgebäude quer durch Deutschland versteigert, die die Deutsche Bahn schon vor langer Zeit abgestoßen hatte.

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten: Beim Gebot von 61 000 Euro saust der Hammer des Auktionators auf das Pult - das ehemalige Bahnhofsgebäude von Hohen Neuendorf West am dicht befahrenen Berliner Außenring hat einen neuen Eigentümer gefunden.

Insgesamt wurden am Montag 49 ehemalige Bahnhofsgebäude, vom einfachen Flachbau irgendwo in der Taiga bis zum dreigeschossigen Bauwerk in bester Lage einer Kreisstadt und in auf den ersten Blick properem Zustand versteigert. Nur fünf von ihnen waren noch im Eigentum der Deutschen Bahn. Wer hinter den anderen Immobilien steckte, erfährt nur der Käufer.

Vermutlich war die Instandsetzung vielen Vorbesitzern zu teuer, weil die Schäden sich als größer erwiesen als zunächst angenommen. Das Empfangsgebäude von Schleswig mit der riesigen leer stehenden Bahnhofshalle kam erneut unter den Hammer, weil der Immobilienunternehmer, der im vergangenen Dezember für 193 000 Euro den Zuschlag erhielt, vom Kauf zurücktrat. Die Mieteinnahmen waren niedriger als im Katalog angegeben.

Was Bieter bewegt, Bahnhofsgebäude mit dem Hinweis »stark sanierungsbedürftig« zu kaufen, bleibt rätselhaft. Die unter Denkmalschutz stehende Immobilie in Neuruppin stand mit 6000 Euro im Katalog - und ging für 90 500 Euro weg. Das Perleberger Bahnhofsgebäude - Mindestgebot: 14 000 Euro - war dem Höchstbieter nur 23 000 Euro wert. Vielleicht schreckten der Denkmalschutz und bestehende Mietverträge bis 2016 andere Bieter ab. Das Gebäude des Bahnhofs Uckro an der Strecke Berlin-Dresden brachte nur das Dreifache des Mindestgebots von 4000 Euro. Auch für Schönebeck an der Strecke Magdeburg-Halle, das zum Einkaufszentrum umgestaltet werden soll, lief die Auktion eher schleppend - dem Käufer war die Immobilie schließlich nur 32 000 Euro wert.

Dass den Bahnreisenden über Jahre vielerorts kein geheizter Warteraum mehr zur Verfügung stand, allenfalls ein Wetterhäuschen, wurde bei der Auktion offenbar. Die Deutsche Bahn hat sich in den Grundbüchern die Nutzung von Räumen für ihre Technik und den Reisenden den Zugang zum Bahnsteig sichern lassen, wenn der nicht ohnehin abseits des Gebäudes verlegt worden ist.

Das große Geschäft mit den Immobilien ist vorüber. Der Großgrundbesitzer Deutsche Bahn mit 1,25 Milliarden Quadratmetern Fläche hat die besten Stücke verkauft. Von rund 3000 Bahnhofsgebäuden wollte sie nur 500 behalten, die sie »für Betriebszwecke« noch brauchte. Die Verkäufe verliefen zäh: 2001 veräußerte die Bahn etwa 500 Gebäude an die Firma First Rail Property, die später insolvent wurde. 1000 Gebäude gingen an den britischen Investor Patron Capital Partners Ltd. Der Erlös blieb geheim. Nur bei 170 Immobilien waren Kommunen und Privatleute zum Zug gekommen, zumal zwischen den örtlichen Behörden und der Bahn die Meinungen über den »marktnahen Preis« weit auseinandergingen.

Die Großinvestoren hatten sich lediglich dazu verpflichtet, binnen fünf Jahren 15 Millionen Euro in die Sanierung von 490 Gebäuden zu stecken, lächerliche 36 000 Euro pro Bahnhof also. Kein Wunder, dass die meisten verfielen.

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