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Ab geht die Warnstreik-Post

Gewerkschaft ver.di macht in laufender Tarifrunde Druck auf den Konzernvorstand

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Wiesbaden
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit Warnstreiks haben rund 3400 Briefträger der Deutschen Post am Mittwoch ihre Forderung nach mehr Lohn untermauert. Rund 2,3 Millionen Briefe und mehr als 100 000 Pakete wurden nach Gewerkschaftsangaben nicht zugestellt.

In der aktuellen Tarifrunde um eine Einkommenserhöhung für die Beschäftigten der Deutschen Post hat am Mittwoch eine bundesweite Warnstreikwelle begonnen. Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di blieben zahlreiche Hausbriefkästen leer, nachdem Briefzusteller frühmorgens die Arbeit niedergelegt hatten. Von der Streikbewegung erfasst wurden Briefzentren und Zustellbezirke in und um Kiel, Lübeck, Hamburg, Braunschweig, Hannover, Berlin, Dresden, Düsseldorf, Köln, Bonn, Mainz, Wiesbaden, Nürnberg, München, Karlsruhe und Freiburg. Vielerorts versammelten sich die Streikenden zu Kundgebungen.

»Wer nicht hören will, der muss es spüren«, rief Stephan Teuscher, Bereichsleiter für Tarifpolitik beim Fachbereich 10, den Streikenden aus dem Raum Wiesbaden/Darmstadt/Limburg zu. Diese hatten sich am Vormittag vor der Staatskanzlei in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden versammelt. Teuscher zeigte sich enttäuscht darüber, dass der Post-Vorstand auch bei der jüngsten zweiten Verhandlungsrunde kein Tarifangebot unterbreitet habe. Die Gewerkschaft werde auch die entscheidende dritte Runde am Donnerstag kommender Woche in Neuss mit Warnstreiks begleiten, kündigte er an: »Wir meinen es ernst. Wenn wir die Lippen spitzen, können wir auch pfeifen.«

Für die rund 132 000 Post-Tarifkräfte fordert ver.di bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat. Für Auszubildende und Studierende an Berufsakademien soll die Monatsvergütung um 65 Euro steigen. Für rund 43 000 Beamte, die ihren Status vor der Postprivatisierung 1994 erworben hatten, möchte ver.di die »Postzulage«, eine unternehmensspezifische Sonderzahlung, neu aushandeln. »Arbeitnehmer und Beamte dürfen sich nicht auseinander dividieren lassen«, forderte Teuscher und erinnerte daran, dass sich ver.di 2008 gegen den Versuch des Post-Managements gewehrt habe, den Beamten einseitig eine Arbeitszeitverlängerung zu verordnen. So war es offiziell bei der 38,5-Stunden-Woche für alle geblieben. Angesichts sprudelnder Gewinne des Konzerns sei die Lohnforderung durchaus »bezahlbar und gerecht«, betonte Teuscher. Offenbar seien die Aktionäre aus der Sicht des Postvorstands in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen und verlangten nun noch höhere Renditen.

Ähnlich beschrieb ein anderer Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte, auf nd-Anfrage die Beweggründe hinter der sturen Haltung der Konzernspitze: »Der Unternehmensbereich Briefpost soll pro Jahr eine Milliarde Euro an reinem Gewinn an den Konzern abführen und dieses Ziel mit allen Mitteln erreichen.« Entsprechend wolle man die Personalkosten so gering wie möglich halten und die Produktivität stetig steigern. Die Schattenseite sei eine zunehmende Belastung der Beschäftigten. »Viele nehmen längere Arbeitszeiten in Kauf, manche schreiben unter dem Druck des Arbeitgebers ihre Überstunden gar nicht auf«, so der Gewerkschafter. Wer es dennoch tue, werde sehr subtil unter Druck gesetzt. Druck erzeuge auch die Tatsache, dass vielen Beschäftigte nur befristete Arbeitsverträge angeboten würden und die Befristung oftmals nicht verlängert werde. »Die Leute machen einen gehetzten Eindruck und rennen durch den Bezirk«, so der Gewerkschafter. Eine zusätzliche Belastung sei für viele auch die Samstagsarbeit.

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