Von Hermannus Pfeiffer

»Offshore-Leaks« auch in Panama

Deutsche Vermögensbesitzer nutzen Steuerschlupflöcher auch in Mittelamerika

Eine Homepage deckt die Namen von reichen Deutschen auf, die Firmen in der Steueroase Panama unterhalten. Darunter Mitglieder der Familien Porsche und Quandt.

Der britische Blogger Dan O'Huiginn hat sich einen Namen gemacht im Kampf gegen Steuerflucht und Korruption. Auf seiner Homepage (ohuiginn.net/panama) können auch nd-LeserInnen nun in der »Panama Corporate Database« recherchieren, welche Superreichen Firmen in dem mittelamerikanischen Kleinstaat registriert haben. Unter den Vermögenden, die als Direktor oder Inhaber von Firmen regis-triert sind, befinden sich Angehörige der Familien Porsche, Piëch und Quandt. Außerdem der Verleger Hubert Burda, die Kaffee-Dynastie Jacobs und die Bankiers von Finck. In anderen Fällen wie beispielsweise des Logistik-Milliardärs Klaus Michael Kühne wurden die Firmen wieder gelöscht.

Die Registrierung in Panama bedeutet nicht zwingend, dass die Betreffenden Steuerhinterziehung betrieben haben oder betreiben. Laut Medienberichten erklärten die Familien Piëch und Porsche, von ihnen gehaltene Firmen seien nicht aus Steuergründen dort gemeldet. Silvia Quandt und Hubert Burda behaupten, nichts von einer Beteiligung in Panama zu wissen. Die Jacobs AG verwies auf private Aktivitäten des 2008 verstorbenen Gründers Klaus J. Jacobs.

Das lange diktatorisch regierte Panama gilt als verschwiegenes Steuerparadies vor allem von US-Konzernen. Seit das Land 1999 seine volle Souveränität über den Panamakanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, von den USA zurückgewonnen hat, gilt der 3,5 Millionen Einwohner zählende Staat auch unter deutschen Firmen als Drehkreuz für Lateinamerika. Mit einer laut Wirtschaftsministerium »wirtschaftsfreundlichen Gesetzgebung«. Dazu gehört eine unternehmerfreundliche Verwaltungspraxis. Beispiel sind die »Billigflaggen« für Tausende Handelsschiffe, wovon viele deutschen Investoren und Reedern gehören. Dies spart Gebühren und senkt die Kosten.

Zu Panama gehören niedrige Steuersätze und eine verschwiegene Verwaltung. So basieren die Angaben des Bloggers O'Huiginn zwar offenkundig auf dem Meldeamt, aber mit ihnen lassen sich kaum mehr als die Namen der Eigentümer feststellen. Ein handfester Firmenzweck ist meist nicht ersichtlich. Laut dem Netzwerk Steuergerechtigkeit bleibt bei grenzüberschreitenden Finanztransaktionen die Hälfte unversteuert. »Deshalb haftet Firmen in Panama etwas Anrüchiges an.«

Die OECD hat Panama im Sommer 2011 von ihrer »Grauen Liste« der Finanzplätze gestrichen, die den internationalen Steuerstandard akzeptieren, aber noch nicht umgesetzt haben. Vorausgegangen war ein bilaterales Abkommen mit Frankreich. Inzwischen laufen auch mit Deutschland Verhandlungen über ein Informationsaustauschabkommen. Erst nach einem Abschluss könnten deutsche Finanzbehörden Auskünfte über hiesige Steuerflüchtlinge einholen.

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