Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Wie stoppt man das Sterben der Textilarbeiter?

Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, über die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie Bangladeschs

nd: Herr Löning, Sie haben Anfang der Woche Gewerkschafter zum Gespräch über die Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie eingeladen. Warum?
Löning: Unter anderem hat der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft in Bangladesch, Amirual Haque Amin, aus der Sicht der dort Beschäftigten die Lage geschildert. Es ist wichtig für uns, diese Informationen aus erster Hand zu bekommen.

Von internationalen Gewerkschaften gibt es einen Vorschlag für ein Brandschutzabkommen, dass bislang nur der New Yorker Branchenriese PVH und Tchibo unterzeichnet haben. Es fehlen aber noch Unterschriften von anderen großen Konzernen, damit es in Kraft treten kann. Werden Sie nach dem Treffen jetzt auch dafür werben?
An dem gewerkschaftlichen Ansatz finde ich sehr klug, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die zentrale Monitoringinstanz sind - also die Überprüfungen der Sicherheitsstandards selbst mit in der Hand haben. Das ist auch das Beste, denn sie sind es ja, die täglich vor Ort sind. Trotzdem ist es in erster Linie wichtig, dass sich eine relevante Anzahl von Akteuren aus der Bekleidungsindustrie zusammensetzt und verbindliche Standards setzt.

Wieso fällt es denn augenscheinlich den Firmen in Europa so schwer, sich Regeln zu geben, die auch ein gehalten werden?
In den letzten Jahren hat sich viel getan. Das reicht aber noch nicht. Bei dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Pakistan im September haben wir gesehen, dass die Firma erst kurz davor überprüft worden ist. Wie kann es dann geschehen, dass sie kurz danach abbrennt? Da kann ja etwas nicht stimmen. Aber die Verantwortung liegt nicht bei den Unternehmen allein.

Das heißt?
Die primäre Verantwortung für die Durchsetzung der Gesetze, für die Einhaltung von Mindestlöhnen, von Arbeitsstandards und von Bauvorschriften liegt bei der jeweiligen Landesregierung.

Was sehen Sie an der Stelle für Probleme?
In der Region ist die Korruption weit verbreitet. Das ist ein Riesenproblem, weil Korruption dazu führt, dass Gesetze umgangen werden und Kontrollen nicht transparent und unabhängig ablaufen. Darum will ich nicht allein die Firmen in Bausch und Bogen verdammen.

Was kann hier getan werden, damit dort das Sterben in den Bekleidungsfabriken dort aufhört?
Da gibt es unterschiedliche Handlungsstränge. Als Konsumenten müssen wir wissen, dass ein T-Shirt für 4,99 Euro nicht zu guten Bedingungen produziert worden sein kann. Bei einem T-Shirt für 14,99 Euro können wir uns zwar auch nicht sicher sein, aber zumindest steigt die Chance. Die Modeunternehmen sind allesamt auf ihren Ruf bedacht und reagieren empfindlich auf Kritik. Dieser Macht müssen wir uns als Kunden bewusst sein.

Auf der anderen Seite müssen wir die Unternehmen dazu anhalten, Global Compact, dem internationalen Pakt für eine soziale und ökologische Entwicklung, beizutreten.

Und letztens können wir die Länder über Entwicklungshilfe darin unterstützen, dass die Korruption bekämpft und verlässliche Regierungen und ein Rechtssystem aufgebaut werden.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln