Alles wird wieder Blut

Gastspiel am Deutschen Theater Berlin: Hofmannsthals »Elektra« vom Burgtheater Wien, Regie: Michael Thalheimer

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Einer Tochter, Elektra, wurde der Vater ermordet - von der eigenen Mutter und deren neuem Bettbesetzer. Die Tochter versucht nun, ihre Wut als Arznei gegen die erfahrene Entwürdigung zu benutzen. Rache! Aber die Arznei verbündet sich mit dem Übel - das alte Lied, das ewig junge Leid. Denn immer wird einem doch was oder wer vernichtet, ein Mensch, eine Idee, eine Machtbastion, und immer wird der Rachegedanke zur Fortschreibung des - Bösen. Und Furcht vor der Zukunft zu haben, das heißt nur noch: Furcht zu haben, den richtigen Moment des Tötens zu versäumen. Wir sind in griechisch-göttlicher Antike und mittendrin in menschheitlicher Geschichte.

1903 schrieb Hugo von Hofmannsthal seine »Elektra« - er gab damit Goethes menschenfreundlich weitschwingender »Iphigenie« polemisch und psychowühlend ein Pendant bei: ein Quäldrama der Grausamkeit, so grell wie düster, so schwarz flammend von Blutrausch (»Blutplätschern«, schrieb Alfred K...


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