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Steckbriefler

Tony Blair soll sich für den Irakkrieg in Den Haag verantworten

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Sechs Jahre nach seinem Rücktritt und an seinem heutigen 60. Geburtstag kennzeichnen den britischen Ex-Premier Tony Blair drei Besonderheiten: Er vermarktet gnadenlos seine Jahre als Labour-Regierungschef (1997 bis 2007) und soll damit bisher über 80 Millionen Pfund auf die Seite gebracht haben. Er lässt keine Gelegenheit aus, für sich ein Comeback auf britischer oder europäischer Ebene zu erbetteln. Und es will ihm einfach nicht gelingen, die Kritik an seiner Rolle bei der Inszenierung des Irakkriegs 2003 unter gefälschtem Vorwand abzuschütteln. Einen Berater, der ihn damals vor Unbedachtheit bewahren wollte, soll Blair selbstherrlich mit den Worten abgekanzelt haben: »Sie sind Neville Chamberlain, ich bin Winston Churchill und Saddam Hussein ist Hitler.«

Zehn Jahre nach Beginn der Invasion, als Blair an der Seite von George W. Bush die US-Truppen mit einem britischen Kontingent ergänzte, drängt eine Initiative darauf, den gut gebräunten Frührentner für seinen Part im Irakkrieg endlich vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen. Die Website www. arrestblair.org führt eine Kampagne, um ihm den Prozess zu machen: Man müsse die Öffentlichkeit daran erinnern, dass der Gerechtigkeit noch nicht Genüge getan wurde; zeigen, »dass der von Blair begangene Massenmord« nicht vergessen ist; Druck ausüben auf die Behörden Britanniens und jener Länder, die er heute bereist, damit Blair wegen Verbrechen gegen den Frieden vor das Weltstrafgericht gebracht wird; und schließlich: »andere abhalten, die gleichen Straftaten zu begehen«.

Der Friedensnobelpreisträger und frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu hatte unlängst seine Teilnahme an einer Veranstaltung mit Blair abgelehnt und erklärt: »Mr. Blairs Entscheidung, die militärische Invasion Iraks durch die USA auf der Grundlage unbewiesener Behauptungen über die Existenz von Massenvernichtungswaffen zu unterstützen«, sei »moralisch unhaltbar« gewesen und lege seine Anklage in Den Haag nahe. Kritik wie diese verleiht Tony Blairs rundem Geburtstag eine steckbriefliche Note.

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