Blockupy in der Einkaufsmeile

Frankfurter Textilgeschäfte bereiten sich auf die angekündigten Proteste vor

"Geschäftsbetrieb blockieren, Ausbeutung markieren, Solidarität demonstrieren"

Am Blockupy-Aktionstag 31. Mai steht in Frankfurt am Main nicht nur die Europäische Zentralbank im Visier, die ab 7 Uhr dicht gemacht werden soll, sondern auch andere Krisenprofiteure in der Stadt und am Flughafen. Ab Mittag dann auch die Geschäfte auf einer der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Europas: „Wir werden durch kreative und ungehorsame Aktionen den Geschäftsbetrieb von Bekleidungsläden in der Frankfurter Zeil blockieren.“

Der britische Textildiscounter „Primark“, der multinationale Modekonzern „Mango“ und die italienische „Benetton“ Group hatten in der im April eingestürzten Texilfabrik in Bangladesch produzieren lassen. Alle drei Konzerne haben Filialen auf der Zeil. Die Einkaufsmeile mit zahlreichen weiteren Bekleidungsgeschäften bietet sich an, um die katastrophalen Produktions- und Arbeitsbedingungen zu skandalisieren, von denen die Texilkonzerne, aber auch die deutschen Käufer/innen profitieren. In Fußweite, zwischen Alte Oper und Hauptwache, befindet sich auch der Apple-Store. Apple lässt in den Foxconn-Fabriken in China produzieren, die ebenfalls wegen geringer Löhne und unmenschlicher Arbeitsbedingungen in Verruf gerieten. Ziele gibt es also genug.

Die Blockupy-Aktivist/innen haben sich einen passenden Termin für ihre Proteste gewählt. Der 31. Mai ist in Westdeutschland ein Brückentag, an dem die Zeil besonders gut besucht sein wird. In der Ruhrgebietsstadt Essen haben am 10. Mai, ebenfalls ein Brückentag, allein schon die Kunden die Primark-Filiale dicht gemacht. Voraussichtlich werden die Blockupy-Demonstrant/innen am 31. Mai den Geschäftsbetrieb merklich behindern können und damit viele Menschen erreichen und sie darüber aufklären, warum eine Jeans bei Primark nur 11 Euro kostet.

Unerfüllte Konsumententräume

Allein die Ankündigung der Blockupy-Proteste führe schon dazu, dass viele erst gar nicht auf die Zeil kommen werden, prognostiziert ein Filialleiter einer auf der Zeil ansässigen Damenmodekette gegenüber nd. Die Kunden blieben weg. Er spricht aus Erfahrungen des vergangenen Jahres, als die Medien wegen der Blockupy-Proteste ein Gewaltszenario an die Wand malten. Die Einbußen seien beträchtlich. Schließen werde man das Geschäft jedoch nicht, das könne man nur bei akuter Gefahr tun.

Auch aus kleineren Bekleidungsgeschäften für Menschen mit dicker Brieftasche hört man Klagen: „Wir können in diesen Tagen dichtmachen.“ Das Demonstrationsrecht in der Innenstadt sähe ein Ladenbesitzer am liebsten abgeschafft. Verständnis für die Kapitalismusgegner/innen hat er nicht: Man wolle doch nur Konsumententräume wahrmachen. Es gibt die Planung, den Laden zu schließen und die Schaufenster leerzuräumen, damit Demonstrant/innen hier keinerlei Anlass zur Intervention sehen.

Die meisten Geschäfte, darunter auch Primark und H&M, verweigern Stellungnahmen zu den angekündigten Protesten. Blockupy ist jedoch allen noch aus dem vergangenen Jahr ein Begriff. Über die aktuellen Ankündigungen sind oder werden sie alle informiert. „Das geht von Mund zu Mund“, erzählt eine Geschäftsinhaberin. 2012 kam eine Woche vor Blockupy die Polizei zu einem Beratungsgespräch vorbei.

Bei diesen Gesprächen wird es auch in diesem Jahr nicht um Stundenlöhne in Höhe von 17 Cent, nicht um Arbeitsbedingungen, die das Zu-Toilette-Gehen verunmöglichen, nicht um aktuelle Arbeitskämpfe in Bangladesh oder den Angriff der Arbeitgeber auf den Manteltarifvertrag im deutschen Einzelhandel gehen. Gespräche mit diesen Inhalten werden erst die Blockupy-Demonstrant/innen am 31. Mai auf der Zeil mit Beschäftigten und Konsumenten führen.

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