Frankreich kauft US-Drohnen

Streit um »verpasste« Entwicklung der Flugzeuge im eigenen Land

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Entscheidung der französischen Regierung, in den USA zwei Drohnen zu kaufen, um sie im Norden Malis einzusetzen, ist auf heftige Kritik aus Politik und Industrie gestoßen.

Ende vergangener Woche hatte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian den Kauf zweier unbemannter Militärflugzeuge in Washington vereinbart. Die beiden Drohnen vom Typ Reaper sollen schon bald geliefert, in Frankreich auf europäische Funkfrequenzen umgerüstet und noch vor Ende des Jahres im Norden Malis eingesetzt werden. Sie werden vom Konzern General Atomics gebaut, haben einen Aktionsradius von 6000 km und können in einer Höhe von 5000 bis 15 000 Metern mit einer Geschwindigkeit von 400 Kilometer pro Stunde fliegen. Den Reaper gibt es auch mit Bomben und Raketen ausgerüstet als »Kampfvariante«. Allerdings begnügt sich Frankreich mit seiner Fernaufklärung durch Infrarot- und Videokameras, deren Bilder in die tausende Kilometer entfernte Steuerzentrale übermittelt werden können. Im Norden von Mali will Frankreich so die nordöstlichen Bergzüge überwachen, wohin sich Reste der von den französischen Militärs vertriebenen Islamisten zurückgezogen haben und wo man auch die sechs französischen Geiseln vermutet, die Paris unbedingt finden und befreien will.

Derzeit sind in Mali bereits vier Drohnen vom Typ Hunter aus israelischer Produktion im Einsatz, die eine wesentlich geringere Reichweite haben als die amerikanischen Reaper und schon mehr als zehn Jahre alt sind. »Mit dem Hunter haben unsere Militärs gelernt, nicht zuletzt bei den Aufklärungseinsätzen über Libyen. Doch jetzt brauchen wir Drohnen mit wesentlich besseren Leistungen«, erklärte Jean-Patrick Gavirard, General der Armée de l'air.

Diese Entwicklung hat Frankreich vor Jahren »verpasst«, räumt Verteidigungsminister Le Drian ein. Beim eigenen Drohnen-Entwicklungsprogramm hätten die beiden Luftfahrtkonzerne Dassault und EADS gegeneinander gearbeitet, statt ihre Potenzen zu vereinen und auch die Zusammenarbeit mit Großbritannien und Deutschland zu suchen. Die 2012 abgewählte konservative Regierung hatte zwar noch Ende 2011 den Dassault-Konzern mit der Entwicklung und dem Bau von leistungsfähigen Drohnen beauftragt, doch das dafür vorgesehene Budget war zu klein bemessen und die Lieferung der ersten Apparate wurde frühestens für 2025 in Aussicht gesellt. »So lange können wir nicht warten«, urteilt der jetzige Minister. Er will weitere Reaper in den USA kaufen. Parallel dazu laufen Verhandlungen mit Israel, dem zweiten Herstellerland.

In der Frage nach der Herkunft der Drohnen gehen die Meinungen aber quer durch die politischen Parteien auseinander. Während ein Teil aus pragmatischen Gründen für den Kauf der ausländischen Technik plädiert, fordert der Verteidigungsminister und eine Mehrheit der linken wie rechten Politiker, dass die französische Industrie zusammen mit ihren europäischen Partnern die Entwicklung und den Bau einer neuen Generation von Drohnen vorantreibt, vor allem um eine nicht hinnehmbare Abhängigkeit von den USA zu beenden.

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