Studierende in Not

Studentenwerk fordert 25 000 Wohnheimplätze

  • Von Johanna Treblin
  • Lesedauer: 2 Min.

Studentischer Wohnraum in den Großstädten ist weiterhin knapp. Das Deutsche Studentenwerk hat daher am Mittwoch in Bremen für das kommende Wintersemester mindestens 25 000 zusätzliche staatlich geförderte Wohnheimplätze gefordert. In Bremen treffen sich diese Woche rund 120 Vertreter der Studentenwerke zur Wohnheimtagung, um über bezahlbaren Wohnraum zu diskutieren.

»Wir benötigen diese Plätze rasch«, sagte der Generalsekretär des Studentenwerk-Dachverbandes Achim Meyer auf der Heyde. Seit 1990 habe sich die Zahl von rund 230 000 öffentlich geförderten Wohnheimplätzen kaum erhöht. »Aber die Studierendenzahlen sind seitdem förmlich explodiert.« Während 1999 1,7 Millionen junge Menschen an deutschen Hochschulen eingeschrieben waren, sind es heute 2,5 Millionen. Meyer auf der Heyde bezeichnete es als »Kardinalfehler«, dass Bund und Länder über die gemeinsamen Hochschulpakte zwar zusätzliche Studienplätze schaffen, es allerdings versäumen, die soziale Infrastruktur für die Studierenden zu verbessern. Er forderte daher ein Bund-Länder-Programm zur Finanzierung neuer Wohnplätze.

Ein Platz im Studentenwohnraum kostet laut Studentenwerk durchschnittlich 214 Euro. Die Hälfte der Studierenden, die in einem öffentlich geförderten Wohnheim untergekommen sind, hat höchstens 640 Euro im Monat zur Verfügung. Damit geben sie etwas mehr als ein Drittel ihres Budgets für die Miete aus.

Auch der Deutsche Mieterbund (DMB) warnte am Mittwoch vor steigender Wohnungsnot in deutschen Universitätsstädten. DMB-Präsident Franz-Georg Rips warf der schwarz-gelben Koalition zwei Tage vor Beginn des 65. Mietertages am Freitag in München angesichts der schwierigen Wohnungslage »Desinteresse und Passivität« vor. Insgesamt fehlen dem Mieterbund zufolge in Deutschen Groß- und Universitätsstädten 250 000 Mietwohnungen. Der Mieterbund hält eine Leerstandsquote von drei Prozent als »Fluktuationsreserve« für notwendig. In Hamburg stünden aber nur 0,7 Prozent der Wohnungen leer, in München 0,6 Prozent. Zudem stiegen die Mieten unaufhaltsam. Bei Neuvermietungen lägen sie zum Teil bis zu 40 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Der Mieterbund fordert eine Obergrenze für die Erhöhung bei Neuvermietungen von zehn Prozent des bisherigen Mietpreises.

Das Bundesbauministerium hat zum Thema studentischer Wohnraum einen Runden Tisch eingerichtet. Zum ersten Treffen Ende 2012 setzte sich Minister Peter Ramsauer (CSU) mit Studierenden sowie Vertretern des Studentenwerks und der Immobilienwirtschaft zusammen. Dem Ministerium zufolge fehlen in Universitätsstädten 70 000 Wohnungen für Studierende. In der Regel suchen rund 35 Prozent der Studierenden einen Wohnheimplatz. Obwohl für die Wohnraumförderung die Bundesländer verantwortlich seien, unterstütze der Bund diese mit jährlich 518 Millionen Euro. Ein Teil davon fließt in Studentenwohnheime. Ein zweiter Runder Tisch ist für den 7. Juni angesetzt.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung