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Kubas Zafra nicht nach Plan

Es fehlen bis zu 200 000 Tonnen Zuckerrohr und wirksame Kontrolle

  • Von Leo Burghardt, Havanna
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Plan stimmte, meinen die Experten, doch nicht das Ergebnis der Zuckerrohrernte. Kuba klagt über Schlamperei, mangelnde Kontrolle und unfähige Funktionäre.

Die Zuckerrohrernte (Zafra) 2012/2013 klingt aus. Die Planer der vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Gruppe von 13 mit der Zuckerwirtschaft liierten staatlichen Unternehmen AZCUBA, die an die Stelle des in den letzten Jahren von Flop zu Flop stolpernden Zuckerministeriums trat, müssen sich wieder fragen lassen, ob sie sich von Wunschdenken leiten ließen. Die anvisierten 1,7 Millionen Tonnen sind nicht drin. Man wird auf 1,5 Millionen, womöglich auf 1,6 Millionen Tonnen kommen. Im Vorjahr waren es 1,4 Millionen Tonnen, die Ernte 2009/2010 hatte mit 1,1 Millionen Tonnen das schlechteste Ergebnis seit 105 Jahren gebracht.

Zwar walzte der Hurrikan Sandy im Oktober 2012 in den Provinzen Santiago de Cuba und Holguín Zigtausend Hektar Rohr nieder, aber sonst meinte es das Wetter gut mit der Zafra. Im Mai beginnt die Regenzeit. Darum versuchen die Zuckerproduzenten das Rohr bis spätestens Ende April zu schlagen und in den Mühlen zu verarbeiten. Wenn die Plantagen unter Wasser stehen, müssen die Kombines auf den Höfen bleiben.

Die Macheteros sind ausgelaugt. Der Maschinenpark in den Fabriken, auf Straße, Schiene und auf den Feldern ist nach monatelangem meist 24-stündigem Einsatz hochgradig reparaturanfällig. Außerdem besteht die Gefahr, dass auf den Plantagen entgegen den strikten Anweisungen junges, noch völlig unrentables Rohr geschlagen wird, um Planverluste etwas zu kaschieren. Mitte Mai arbeiteten noch sechs der insgesamt aufgebotenen 50 Fabriken.

Die Experten von AZCUBA glauben, dass die Planvorgaben realistisch waren. Das beweise auch der Zucker, seine Qualität war erstklassig. Den Produzenten standen rechtzeitig die notwendigen Mittel für die programmierte Ernte zur Verfügung: Ersatzteile, Bewässerungsanlagen, Dünger, Arbeitskleidung, Transportmittel. Doch es fehlte an Rohr!

Aber nicht nur das. Reparaturen entscheidender Aggregate waren manchmal so nachlässig ausgeführt, dass sie nach wenigen Tagen zusammenbrachen und ganze Fabriken lahmlegten. Bei ordnungsgemäßer Kontrolle wären solche Pannen nicht passiert.

Aber da ist wieder der Tatbestand, der auf jeder Tagung des Zentralkomitees der KP, der Gewerkschaften und jeder Bürgerversammlung eine Rolle spielt: Es fehlt auf allen Ebenen die Kontrolle. Wie im April auf der 2. Nationalkonferenz der KP mit den Massenorganisationen festgestellt wurde, gehe das darauf zurück, dass »führende Kader ihren Aufgaben nicht gewachsen sind«.

»Jeder von uns kann mit denselben Erfahrungen aufwarten, dass ein Chef von seinen Arbeitern kritisiert wird, und am Ende ist es der Kritiker, der den Schaden davonträgt«, machte sich A. López in der »Granma« am 19. April auf einer der den Lesern vorbehaltenen Seiten zum Sprachrohr vieler Leidensgenossen. »Mechanismen, um das zu verhindern, gäbe es ja genug: Gewerkschaften, Bürgerräte, Juristen... und was kommt dabei heraus?«

Der Mangel an Kontrolle ist eben auch bei der Zuckerproduktion der Grund für die »Dauerschwachstellen« wie die Unterbrechungen in der Kette Plantage-Transport-Verarbeitung und die Blockade der Fabriken. Juan Marela, der Mann fürs Zuckerrohr in der »Granma«, meint, dass dadurch 38 Prozent der für die Zafra vorgesehenen Zeit verschenkt wurden. Man erwarte nun endlich eine tief greifende Analyse. »Mögen sie sich nicht wieder hinter einer Flut von Ausreden verschanzen!«

Die Kubaner konsumieren selbst 600 000 bis 700 000 Tonnen jährlich, 400 000 Tonnen erwartet China, schon längst einer der wichtigsten Handelspartner.

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