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Spielplätze durch die Tour de Prignitz

  • Von Anja Mia Neumann, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Sechs Etappen vorbei an Kühen, Heuballen und Wiesen mit Pusteblumen. Das ist die Tour de Prignitz. Rund 4000 Radler bewegen sich jedes Jahr durch den Nordwesten Brandenburgs, durch idyllische Alleen und über den Deich an der Elbe. Was vor 16 Jahren mit etwa 50 Teilnehmern eher zufällig begann, ist zu einer kleinen Massenbewegung geworden. Dabei geholfen hat der Wettbewerb unter den Gemeinden: Wer den schönsten Empfang bereitet, vergleichsweise die meisten Radler mobilisiert und sich gegen die Nachbarorte im Wasser-Schubkarre-Bewegen und im Boccia mit Medizinbällen durchsetzt, darf sich Prignitz-Sieger nennen.

Ein Mann mit Strohhut sticht beim Start in Bad Wilsnack aus dem Teilnehmerfeld heraus: Karl-Heinz Herda fährt seit Anfang an bei der Radwanderung mit. Für sein 16. Mal hat er sich zurecht gemacht: blaues T-Shirt, enge Radlerhose, ein roter Stoffvogel klebt auf seinem Hut. »Die Musik, die gute Stimmung, die gemeinsame Bewegung - deshalb bin ich immer dabei«, sagt der 62-Jährige aus Pritzwalk. Sein Ort hat bisher drei Mal gewonnen, übertroffen nur vom Favoriten Heiligengrabe mit vier Siegen. »Gewinnen ist toll, aber letztlich ist mir das ganz egal«, meint Herda. Er mag die Tour, weil sie durch seine Heimat führt und er ein sportlicher Typ ist.

Entstanden ist die Tour im Herbst 1997 aus einer Not heraus. Damals bauten Handwerker das rbb-Studio in Perleberg um. Ein Ersatz musste her. Am Biertisch kamen die Redakteure auf die Idee, von einer Fahrradtour durch die Region zu berichten und ihr Studio quasi nach draußen zu verlegen. Nicht mal 50 Einwohner waren bei diesem Debüt dabei. Der Radiosender »Antenne Brandenburg« veranstaltet die Tour bis heute gemeinsam mit der »Märkischen Allgemeinen Zeitung«. Es kommen auch Radler aus Niedersachsen, Sachsen und Berlin, sagt Organisatorin Angelika Schramm. »Die Tour bringt Leben in die Region.«

So sieht das auch Bad Wilsnacks Bürgermeister Dietrich Gappa (CDU). »Das ist eine Werbung für die Region und für uns«, sagt er. »Außerdem sind wir als Kurort der Gesundheit verpflichtet.« Der Erfolg der Tour hängt seiner Meinung nach auch damit zusammen, dass sie leicht und für jedermann zu bewältigen ist. »Es geht nicht um Schnelligkeit.« Geplant sind Etappen von rund 50 Kilometern pro Tag mit einer Mittagspause und einem Kulturstopp.

Auch Brigitte Kleie macht mit. Sie ist um vier Uhr früh aufgestanden, um aus Königs Wusterhausen in die Prignitz zu kommen. »Es ist rundum schön«, schwärmt die 66-Jährige. »Wir Rentner machen es gemütlich und fahren gemeinsam am Schluss.«

Heiligengrabe gewann in den vergangenen drei Jahren immer. »Unsere Bürger trainieren inzwischen für die Spiele«, erzählt Bürgermeister Holger Kippenhahn (LINKE). Das Preisgeld von 5000 Euro steckte die Gemeinde jeweils in einen neuen Spielplatz.

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