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Ich habe Aussehen

Germanys next Topmodel

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In den 1980er Jahren gab es einen sehr witzigen Werbespot der Brausegetränkefirma »Coca Cola«. Der Clip spielte in einer fernen Zukunft, in der die Hochhäuser Getränkedosen ähneln und die Menschen den lieben langen Tag aus roten Blechdosen Brauselimonade der Firma »Coca Cola« schlürfen. Eine Gruppe Archäologiestudenten wühlt unter Anleitungen eines Professors in einer Ausgrabungsstätte mit den Überresten eines Einfamilienhauses des späten 20. Jahrhunderts Artefakte der Alltagskultur aus dem Staub. Der Hochschullehrer weiß zu jedem der gefundenen Gegenstände eine kleine Geschichte zu erzählen. Schließlich finden seine Studenten eine taillierte Glasflasche. Auf die Frage an den Herrn Professor, um welches Artefakt es sich hierbei handele, antwortet dieser kopfschüttelnd: »I have no idea« - Ich habe keine Ahnung.

Die unmittelbare Botschaft des Clips: Die Menschheit (genauer: die, die die Werbeindustrie dafür hält, also die Konsumenten der - damals auf den Westen beschränkten - kapitalistischen Warengesellschaft) wird irgendwann nicht einmal mehr wissen, dass es »Pepsi Cola« jemals gegeben hat.

Die mittelbare Botschaft des Spots aber lautet: Wenn alles mit Ähnlichkeit geschlagen wird, weil die Produkte nur noch durch ihre Austauschbarkeit am Markt bestehen können, wird die Menschheit (der Konsument) den Verlust der Differenz nicht einmal bemerken.

Die totalitäre Herrschaft dieser Warenwelt lässt sich vielleicht nur aufhalten, indem alles, was sich selbst mit Ähnlichkeit schlägt, seiner äußeren Werbehülle beraubt und bis auf den Kern entkleidet wird. Im wahrsten Sinne dieser Überlegung haben am Donnerstagabend zwei Aktivistinnen der Feministinnen-Gruppe »Femen« mit blankem Busen das Finale des Finales von »Germanys next Topmodel« gestört. Für einen Sekundenbruchteil konnte man im Fernsehen erleben, was der Kern dieser Casting-Show ist, bei der halbwüchsige, abgemagerte weibliche Heranwachsende von einem in die Jahre gekommenen ehemaligen Unterwäschemodell wochenlang vorgeführt werden: Camouflage - mimetische Selbsttäuschung

In den seltenen Momenten ungewollt intellektueller Brillanz erklärte die diesjährige Zweitplatzierte, eine Kölnerin, die ihre Ausbildung zur Altenpflegerin wegen der Show abbrach, den Grund ihres Erfolgs mit dem Satz: »Ich habe Aussehen«. Besser hätten es auch die Agitatoren der Produktpropaganda nicht sagen können - alles, was ich besitze, ist Ähnlichkeit.

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