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»Grüne Korridore« und Jagdtrophäen

Ein Rückblick auf 50 Jahre Umweltengagement der deutschen Sektion des WWF

  • Von Susann Witt-Stahl
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am heutigen Tag der Umwelt feiert die deutsche Sektion der Umweltstiftung WWF auf einem Festakt in Berlin ihr 50-jähriges Jubiläum. Als Stargast hat sich Bundesumweltminister Peter Altmaier angekündigt. Heute ist der WWF der wohl umstrittenste unter den großen Umweltverbänden. Kritik gibt es immer wieder vor allem wegen einer zu großen Nähe zur Wirtschaft und den Großwildjagdeskapaden prominenter Mitglieder.

Heute steppt der Pandabär. Die deutsche Sektion des »World Wide Fund For Nature« (WWF) feiert ihren 50. Geburtstag. Seit der Gründung 1963 (die Mutterorganisation entstand bereits 1961 in der Schweiz) ist das schwarz-weiße Panda-Logo nicht nur zum Markenzeichen für Natur- und Artenschutz geworden - mit mehr als fünf Millionen Förderern und Aktivitäten in mehr als hundert Ländern hat sich der WWF längst zu einem Global Player gemausert.

Der WWF hat sich »die Erhaltung der biologischen Vielfalt der Erde, die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen, die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten« auf seine Fahnen geschrieben. Seine vorläufige Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Es ist ihm gelungen, weltweit rund zehn Millionen Quadratkilometer Land unter Naturschutz zu stellen - eine Fläche so groß wie China. So hat er beispielsweise entlang der tausend Kilometer langen Unteren Donau mit einem »Grünen Korridor« das größte Süßwasserschutz- und Renaturierungsgebiet Europas eingerichtet. In Deutschland schuf der WWF in Brandenburg Schutzgebiete für Schreiadler, Schwarzstorch und Fischotter. 2012 konnte er im Konzert mit anderen Umweltverbänden vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einen vorläufigen Stopp der umstrittenen Elbvertiefung erwirken.

Für das Erreichen seiner Ziele setzt der WWF weniger auf politischen Protest und Konfrontation als auf Lobbyarbeit, parlamentarische Initiativen und Kooperation mit der Industrie. Kein Wunder: Der WWF ist nicht aus einer sozialen Bewegung aufgestiegen. Er ist ein Projekt wirtschaftlicher Eliten, Glamour-Promis und mehr oder weniger gut betuchter Adeliger. Prinz Bernhard der Niederlande war sein erster Präsident (1962 bis 1976), Prinz Charles und Prinz Philip, der Herzog von Edinburgh, sind nur wenige Namen aus einer sehr langen Liste im WWF organisierter Royals.

Die High Society frönt bekanntlich nicht selten einem exklusiven Hobby. Der Vorwurf, der bevorzugt mit knuddeligen Tieren für sich werbende WWF sei nicht zuletzt eine Tarn- und Alibiorganisation für Großwildjäger, die sich unter dem Deckmantel des Artenschutzes Reviere für ihre blutige Leidenschaft sichern wollten, ist nicht von der Hand zu weisen. So spricht sich der WWF nicht zufällig unter bestimmten Bedingungen für die Trophäenjagd aus. Und nicht nur König Juan Carlos, Ehrenpräsident des spanischen WWF, wurde von den Medien bei einem fröhlichen Elefantengemetzel in Botswana erwischt - bereits in den 1990er Jahren kam heraus, dass der Bekleidungsmillionär Knut Bellinger, damals Stiftungsratsmitglied, Jaguare und andere streng geschützte Tiere abgeknallt hatte - »Wilderei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz« lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Köln. »Er hat zwar ein Tier im Logo, Tierschutz ist jedoch mehr ein Fremdwort beim WWF«, kritisieren die Schweizer Tierschutznews.

Die Geschichte des WWF ist so auch eine Geschichte von Skandalen, weil er die »Verwurzelung der Naturzerstörung in den Gesetzen des Kapitals«, wie sie der Soziologe Athanasios Karathanassis belegt hat, verschleiert und jegliche Distanz zu großen Wirtschaftsunternehmen vermissen lässt. So ist die Organisation an einem Runden Tisch für verantwortungsbewussten Soja-Anbau beteiligt. An dem haben Unilever, Cargill und nicht zuletzt der Gentech-Konzern Monsanto Platz genommen. Das erste Siegel konnte sich 2011 das brasilianische Maggi-Imperium sichern, ein berüchtigter Landräuber und Regenwaldvernichter, der auch Gentech-Soja anbaut.

Andere Umweltorganisationen wie Robin Wood sind entsprechend kritisch. Mancher sieht im WWF den »Kumpel der Konzerne« (»Der Spiegel«) Diese Botschaft hat auch ein 256-seitiges Schwarzbuch, für dessen Autor Wilfried Huismann der WWF längst zur »Grünwaschanlage« für Umweltsünder verkommen ist.

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