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Gymnasium als »Sargnagel der Inklusion«

Hamburg: Politik rätselt über steigenden Anteil von Schülern mit Förderbedarf

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Der Anteil der Schüler, die einen Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung (LSE) haben, steigt in Hamburg kontinuierlich an. Schulsenator Rabe (SPD) hat ein Expertenteam beauftragt, den Gründen auf die Spur zu kommen.

Es mag einfach keine Ruhe in die Hamburger Schulpolitik einkehren. Elternbriefe, Brandbriefe, fast keine Woche vergeht, ohne dass Senator Ties Rabe (SPD) nicht zumindest eine »Gelbe Karte« kassiert. Nun muss sich der Senator mit der Inklusion auseinandersetzen. Denn die Zahlen der Schüler, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung (LSE) attestiert bekommen haben, steigt kontinuierlich an. Erfüllten im Schuljahr 2010/11 noch 5 Prozent aller Schüler die LSE-Kriterien, so stieg dieser Wert zum Schuljahr 2012/13 auf 6,6 Prozent an.

Die Berichte aus der Praxis zeichnen ein zum Teil noch dramatischeres Bild. Vor allem die Stadtteilschulen ächzen unter der zusätzlichen Last der Inklusion. Im Laufe eines Jahres hat sich dort die Zahl der LSE-Kinder mehr als verdoppelt. »In einigen Stadtteilschulen liegt der Anteil der LSE Kinder bei den Neuanmeldungen bei über 20 Prozent«, so Stefan Romey vom Landesverband Hamburg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Er kritisiert, dass es noch nie so viele »Weg-Schieb-Konferenzen« gegeben habe wie aktuell. »Die aktuelle Entwicklung steuert auf die Nebenklassen zu, die wir in den 1950er Jahren schon einmal hatten«, kritisiert Romey. Zwar sind die Schüler mit Förderbedarf auf der allgemeinen Schule, werden aber in Extraklassen unterrichtet.

Um die Gründe für diese Entwicklung zu erforschen, hat Senator Rabe den Erziehungswissenschaftler Karl Dieter Schuck von der Universität Hamburg beauftragt. Der hat sich mit Beteiligten aller Schulformen getroffen. Was er dort erfahren hat, zeigt, wie sehr der Karren Inklusion bereits in den Dreck gefahren ist. Die steigenden Zahlen der LSE-Kinder erklären sich viele Lehrer damit, dass sie den Stadtteilschulen als Rettungsanker dienen. Für jedes diagnostizierte Kind gibt es zumindest eine kleine finanzielle Extrazuwendung. Und da mit der Überprüfung auf LSE keine zwangsweise Umschulung auf die Sonderschule mehr verbunden ist, treffen die Lehrer keine einschneidende Entscheidung, wenn sie einen Schüler die Diagnose LSE verpassen.

Vor allem die Stadtteilschulen reagieren damit auch auf eine veränderte und zunehmend schwierigere Schülerschaft. Denn Schüler mit Gymnasialempfehlung werden nur noch selten noch auf einer Stadtteilschule angemeldet. »Das Gymnasium erweist sich immer mehr als Sargnagel für die Inklusion«, so Schuck.

Im Bundesdurchschnitt ist der Anstieg der Kinder mit LSE-Diagnose in Hamburg nicht ungewöhnlich. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung unter Leitung des Essener Bildungsforschers Klaus Klemm ist bundesweit ein Anstieg der Schüler mit Handicap zu verzeichnen. Auch Klemm hat festgestellt, dass viele Schulen hierdurch an finanzielle Ressourcen zu kommen. Das Vorgehen der Schulen ist verständlich, denn die Inklusion wird in allen Bundesländern in erster Linie als Sparmodell umgesetzt.

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