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Schuften auf der Kakaoplantage

In der wichtigsten Produktionsregion Westafrika nimmt Kinderarbeit zu

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Kinderarbeit ist bei der Kakaoernte vor allem in Westafrika weit verbreitet. Neue Initiativen versuchen hier gegenzusteuern.

Das Gros der Kleinbauern in den kakaoproduzierenden Gebieten Westafrikas lebt unterhalb der Armutsgrenze. Das geht aus dem »Cocoa Barometer 2012« hervor, einer Bestandaufnahme der Lebensbedingungen in den Kakaoregionen der Welt. Allein die Elfenbeinküste und Ghana stellten in der Erntesaison 2011/12 rund 60 Prozent der Weltmarktproduktion. Der Rest entfiel auf den Heimatkontinent der Kakaobohne, Lateinamerika, und auf Ozeanien.

Weltweit leben rund 5,5 Millionen Kleinbauern vom Anbau der dicken Schoten, die sich gelb-orange verfärben, wenn sie reif sind. Dann ist es Zeit, sie vom Baum zu pflücken, aufzubrechen und die weißen Kerne aus dem schleimig-klebrigen Fruchtfleisch zu lösen. In Westafrika ist das oft Kinderarbeit und das hat seinen Grund, wie aus einer Studie des Südwind-Instituts hervorgeht, die die Wertschöpfungskette der Schokolade nachzeichnet. So erhielten die Bauern 1980 je Tonne Kakao inflationsbereinigt fast 5000 US-Dollar. Mitte 2012 waren es noch 2300 Dollar. Fallende Preise und steigende Kosten führen dazu, dass Bauern ihre eigenen Kinder, aber auch angeheuerte die Arbeit verrichten lassen. Schätzungen zufolge schuften bis zu 600 000 Kinder auf den weitläufigen Plantagen der beiden westafrikanischen Länder − unter Bedingungen, die nationalen wie internationalen Standards widersprechen.

»Letztlich ist die Kinderarbeit ein Symptom für die schwierige Situation der Kakaobauern in der Region«, so Studienautor Friedel Hütz-Adams. Am schlimmsten ist demnach die Situation in der Elfenbeinküste, woher rund 60 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos kommen. Traditionell ist in Westafrika die Hilfe von Kindern auf dem Feld nichts Ungewöhnliches, sie muss aber den körperlichen Fähigkeiten des Kindes entsprechen und darf einen gewissen Rahmen nicht sprengen.

Auf internationaler Ebene sind die Vorgaben schärfer. So fordert die Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zur Beendigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit ein sofortiges Ende von Zwangsrekrutierung und sklavereiähnlicher Arbeit, während die ILO-Konvention 138 das Mindestalter für Beschäftigung auf 13 Jahre setzt. Beide Konventionen sind in Westafrika kaum das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind. Deshalb sind Initiativen, die den Bauern mehr Geld für ihren Kakao in die Kasse bringen, extrem wichtig, so Experte Hütz-Adams. 10 bis 20 Prozent Aufschlag für fair produzierte Kakaobohnen bietet etwa das Fair-Trade-Siegel, Zuschläge für Bio-Bohnen gibt es obendrein.

Darüber wird auch beim »Forum nachhaltiger Kakao« debattiert. Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Diese von der Bundesregierung unterstützte Initiative will den bitteren Beigeschmack der aromatischen Bohnen korrigieren.

Südwind unterstützt auch die neue europaweite Kampagne »Make Chocolate Fair«, die die Menschen hier für die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen von Kakaobauern sensibilisieren und gemeinsam Druck auf europäische Schokoladenunternehmen erhöhen will, damit sich diese für faire Arbeits- und Handelsbedingungen einsetzen. Am heutigen Internationalen Tag gegen Kinderarbeit macht die Kampagne in zahlreichen Städten auf ihr Anliegen aufmerksam.

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