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Wer arm ist, ist häufiger krank und lebt kürzer

Wirklich? Aufklärung über die Mythen der Gesundheitsdebatte - Teil 5 der nd-Serie

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»In ein paar Jahren wird das Gesundheitswesen unbezahlbar sein«, droht uns die veröffentlichte Meinung seit Jahren. Und warum? Es liegt angeblich am demografischen Wandel, am medizinisch-technischen Fortschritt, der Freibiermentalität der Patienten. Mit solchen »Argumenten« werden Privatisierungen im Gesundheitswesen als unumgänglich vorangetrieben; ärztliche Leistungen aus dem Katalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen, Zuzahlungspflichten begründet. Derweil verdient nicht nur die Pharmaindustrie Unsummen. Doch wer kritisiert hier was und warum? Nadja Rakowitz wirft einen kritischen Blick auf das real existierende Gesundheitssystem - und zeigt, dass Alternativen sogar innerhalb kapitalistischer Verhältnisse möglich sind. Klarheit statt Mythen: hier täglich in einer nd-Reihe.

4. Gesundheitliche Ungleichheit

Diagnose:

Ob Menschen gesund oder krank sind, hängt nicht nur von ihrer physischen Verfasstheit ab – sondern auch von den sozialen Verhältnissen, in denen sie leben. Wer arm ist, ist häufiger krank und lebt kürzer.

Oft vorgeschlagene Therapie: Zur Abhilfe wird oft nur individuelle Verhaltensänderung vorgeschlagen. So vermeidet man die – notwendige – Debatte über die Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums und «privatisiert» das Krankheitsrisiko.

Hintergrund und Faktenlage:

In jeder Gesellschaft der Welt hängen soziale Ungleichheit und Gesundheit eng miteinander zusammen – unabhängig davon, wie das Gesundheitswesen organisiert ist. Auch in einer reichen Gesellschaft wie der deutschen gibt es einen Zusammenhang zwischen der sozialen und der gesundheitlichen Situation: Menschen mit niedrigem Einkommen, Bildungsniveau und Berufsstatus sind nicht nur häufiger von Krankheiten und Beschwerden betroffen, sie haben außerdem auch eine weitaus geringere Lebenserwartung.

Armut erhöht also das Krankheitsrisiko massiv und kann einen großen Teil der gesundheitlichen Ungleichheit in der Bevölkerung erklären. Die gesundheitliche Ungleichheit kann auf unterschiedliche Belastungen, unterschiedliche Bewältigungsressourcen und Unterschiede in der gesundheitlichen Versorgung
zurückgeführt werden. Faktoren wie die Verfügbarkeit oder die Qualität medizinischer Leistungen haben bei der Erklärung von gesundheitlicher Ungleichheit eine eher nachgeordnete Bedeutung. Das Hauptgewicht liegt auf schichtspezifischen Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen und daraus resultierenden Gesundheitsgefährdungen (z. B. ist Schichtarbeit, vor allem in der Nacht, erwiesenermaßen gesundheitsgefährdend).

Das Bedingungsverhältnis zwischen sozialer und gesundheitlicher Situation wirkt aber auch in die andere Richtung: Menschen mit schlechter Gesundheit haben ein höheres Risiko, sozial abzusteigen. Krankheit führt zu schlechteren Bildungserfolgen, zu Problemen, einen Arbeitsplatz zu finden beziehungsweise ihn zu behalten, und zu geringeren beruflichen Aufstiegschancen.

Dies gilt nicht nur für Individuen: Gleichheit macht Gesellschaften insgesamt gesünder. Das Ausmaß der Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften bestimmt in hohem Maß über soziale und gesundheitliche Probleme. In Gesellschaften mit geringeren Einkommensunterschieden zwischen Arm und Reich haben die Menschen insgesamt eine höhere Lebenserwartung und werden weniger krank. Gesundheitspolitisches Engagement muss sich also orientieren an Zielen wie: gleichmäßige Reichtumsverteilung und ausgleichende Sozialpolitik, gute Arbeits- und Wohnbedingungen und an einer gesunden Umwelt. Die soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen kann nur zu einem geringen Anteil von Gesundheitspolitik überwunden werden.

Die von Dr. Nadja Rakowitz verfasste Broschüre „Gesundheit ist eine Ware. Mythen und Probleme des kommerzialisierten Gesundheitswesens“ ist in der Reihe »luxemburg argumente« erschienen und kann bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung bestellt werden.

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