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China auf Shopping-Tour in Frankreich

Investoren aus Fernost suchen nach Anlagemöglichkeiten zwischen Normandie und Cote d'Azur

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Chinas Firmen wollen nicht mehr nur französische Weingüter kaufen. Paris freut sich über die neuen Investoren.

Vor dem Pariser Elysée-Palais, dem Amtssitz des Präsidenten, wurde in dieser Woche der rote Teppich ausgerollt. Es war für eine Unternehmerdelegation aus China. Kein Minister, sondern nur ein in die Privatwirtschaft gewechselter ehemaliger Botschafter begleitete die rund 30 Mitglieder des 2006 gegründeten Unternehmerverbandes chinesischen CEC, und doch wurden sie mit allen protokollarischen Ehren empfangen. Schließlich waren sie gekommen, um sich über die Möglichkeiten für Investitionen oder Kooperationen in Frankreich zu informieren.

Das hört man gern, besonders in Krisenzeiten. Bisher haben vor allem chinesischen Staatsunternehmen im Ausland investiert und dies vorrangig, um ihrem Land neue Rohstoff- und Energieressourcen zu sichern. Doch private Investitionen im Ausland nehmen in letzter Zeit zu. Machten sie vor drei Jahren 17 Prozent bei den chinesischen Auslandsgeschäften aus, so stieg dieser Anteil 2012 auf 29 Prozent. In Europa ist Frankreich nach Deutschland und Großbritannien der drittgrößte Zielmarkt für Chinas Investitionen.

Doch die Investoren aus Fernost machten hier bisher fast nur Schlagzeilen, wenn sie renommierte Weingüter aufkauften. Das begann fast zeitgleich mit der Krise 2008. 2012 wechselten schon 15 Weingüter oder -großhandlungen den Besitzer, und seit Anfang des Jahres gibt es fast jede Woche ein solches Geschäft.

Öffentliches Interesse wecken nun auch größere Projekte, wie eine geplante Wirtschaftszone in Chateauroux, 200 km südlich von Paris, wo chinesisch-französische High-Tech-Unternehmen entstehen sollen. Im lothringischen Thionville, wo der Niedergang der Stahlindustrie eine Krisenregion mit hoher Arbeitslosigkeit hinterlassen hat, ist ein Großhandelszentrum mit mehr als 200 chinesischen Firmen geplant, die von hier aus ganz Frankreich und die Beneluxländer beliefern sollen.

Doch all das sind erst bescheidene Anfänge, wenn es nach den jetzt angereisten Unternehmern geht. Sie streben millionenschwere Beteiligungen an Spitzenunternehmen an und ihr Besuchsprogramm weist das auch aus. Das reicht vom Flugzeughersteller Dassault und dem Elektronikkonzern Schneider über die Bank BNP Paribas bis zu den Luxusunternehmen Cartier und Chanel. Die französische Regierung fördert das nach Kräften und setzt dabei vor allem auf das chinesische Interesse für die Flugzeugindustrie und die Kernkraftwerkehersteller.

So hofft man schrittweise das Ungleichgewicht in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu überwinden. Während heute in China 2200 Filialen französischer Unternehmen präsent sind und bis zu 500 000 Chinesen beschäftigen, sind umgekehrt nur 9000 Franzosen bei 200 Filialen chinesischer Unternehmen angestellt.

Die chinesischen Unternehmer konzentrieren sich auf Bereiche, in denen Frankreich über besondere Erfahrungen und internationales Ansehen verfügt. So wurden kürzlich zehn Prozent der Anteile des renommierten Reiseveranstalters Club Med von chinesischen Teilhabern übernommen, die das Tourismusgeschäft in Asien entwickeln wollen. Angesichts der belasteten Umwelt in China und der Skandale mit verfälschten Lebensmitteln oder Medikamenten interessieren sich immer mehr chinesische Unternehmer auch für die Marken und Technologien angesehener französische Nahrungsmittel- und Pharmamarken.

Nur ein Sektor wird wohl für die Chinesen verschlossen bleiben - die französische Luxusgüter- industrie. Die profitiert zwar gern von neureichen Käufern aus dem »Reich der Mitte«, aber Kooperationen sind tabu angesichts der schlechten Erfahrungen mit der dort staatlicherseits nur halbherzig bekämpften Markenpiraterie.

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