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Scientology: Nicht erwähnt, aber beobachtet

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 2 Min.

Ob die herzliche Einladung »Jeder ist willkommen. Kommen Sie noch heute herein.« auf der Internetseite der »Bremer Scientology Mission e.V.« auch für Mitarbeiter des Bremer Verfassungsschutzes gilt, sei dahin gestellt. Tatsache jedenfalls ist, dass »Scientology« zwar nicht im jetzt herausgebrachten Bremer Verfassungsschutzbericht 2012 erwähnt wird, aber dennoch zu den Beobachtungsobjekten gehört. Das teilte der Leiter des Landesamts für Verfassungsschutz Bremen, Joachim von Wachter, mit. Die Vereinigung aus den USA, die sich selbst als Religion bezeichnet und auf den Lehren des Science-Fiction-Autors L. Ron Hubbart beruht, wird seit Jahren vom Bremer Verfassungsschutz beobachtet. Und das bleibt auch so, laut von Wachter.

Damit befindet sich die »Scientology« in Bremen in Gesellschaft von Rockergruppierungen, rechts-, links- und islamistisch ausgerichteten Vereinigungen, der »Subkulturellen Szene« und ausländischen Organisationen wie der kurdischen PKK. Letztere hat laut aktuellem Bericht in Bremen 300 aktive Mitglieder.

Rechtsextremen Organisationen werden in Bremen gut 100 Mitglieder zugerechnet, in ganz Deutschland sollen es rund 20 000 sein. Bei den als linksextrem eingestuften Vereinigungen sieht der Bremer Verfassungsschutz in der Hansestadt einen deutlich höheren Anteil an der gesamtdeutschen Szene: Von den geschätzten 2400 Mitgliedern in Deutschland leben 400 in Bremen, so der Bericht. Etwa halb so hoch verortet der Bremer Verfassungsschutz den Anteil islamistisch orientierter Extremisten in der Hansestadt, so von Wachter. Auf rund 2600 Personen schätzt der Bremer Verfassungsschutz die Anzahl in Bremen lebender Islamisten. Das seien etwa sieben Prozent der entsprechend bundesweit beobachteten Personen.

Bremens Senator für Inneres und Sport, Ulrich Mäurer (SPD), sprach den ähnlichen Aufbau der Organisationsstrukturen bei rechtsradikalen und Rockergruppierungen an. Inhaltlich gebe es wenig Überschneidungen, da Rockergruppen nicht als rechtsradikal bezeichnet werden könnten. Allerdings wies Mäurer auf das aktuelle Bremer Beispiel des Verbots einer »Open House Party« der rechtsextremistischen »Brigade 8 Crew Bremen« hin. Diese Gruppe sei ähnlich aufgebaut wie Rockervereinigungen, aber anders ausgerichtet. »Personen und Inhalte sind bekannt«, so Mäurer. Als »krass menschenverachtend und abstoßend« charakterisierte Mäurer die Inhalte. Die Bilder und Aussagen, mit denen sich die Gruppe darstellt, kommentierte Mäurer ebenso prägnant: »Da wird einem schlecht!«

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