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Im Zickzack-Kurs durch Frankreich

Heute startet die 100. Tour de France

  • Von Tom Mustroph, Porto Vecchio-Bastia
  • Lesedauer: 3 Min.
Die 100. Tour de France startet heute erstmals auf der Insel Korsika. Das Ende bleibt dagegen gleich. Am 21. Juli wird auf den Champs-Élysées in Paris gejubelt. Dazwischen liegen bei der Jubiläumsausgabe der Großen Schleife insgesamt 3360 harte Kilometer für die besten Radprofis.

Tourgründer Henri Desgrange dreht sich beim Anblick dieser Jubiläumsausgabe vermutlich im Grabe um. Er steckte den Kurs gern als symmetrisches Abfahren des Sechsecks ab, das die Umrisse Frankreichs auf die Landkarte werfen. Seine Nachfolger haben ein eher kubistisches Werk auf die Atlanten gepinselt, mit hoher Punktintensität auf dem kleinen Korsika und in der Alpenregion, mit wenigen Strichen in den Pyrenäen und einer halben Diagonale aus nordwestlicher in südöstliche Richtung unterhalb von Paris. Die Hauptstadt ist ein isoliertes Atoll inmitten einer durch das Peloton unberührten Landschaft. Vogelblickliebhaber mit Formbewusstsein sind enttäuscht von dieser 3360 Kilometer langen Route, die wegen ihrer Zerrissenheit noch zwei Transfers per Flugzeug benötigt. Immerhin findet sie dieses Mal komplett auf französischem Boden statt und kommt erstmals auch nach Korsika.

Auf der Insel herrscht gemischte Freude über das Mega᠆event. Das Grummeln wegen mancher Extrakosten versuchte Regionalpräsident Paul Giacobbi mit der laxen Bemerkung zu ersticken, dass seine Landsleute »sich über die Sonne beklagen, wenn es heiß ist und über das Wasser, wenn es regnet.« Sonne hin, Wasser her, für die Aspiranten auf das Gesamtklassement kommt es in der ersten Woche vor allem darauf an, die kleinen Inselstraßen sturzfrei zu passieren und sich durch den gefürchteten Mistral auf der 6. Etappe nach Montpellier nicht in eine der hinteren Gruppen blasen zu lassen.

Erste Aufschlüsse über die Qualität des Bergzugs von Team Sky sollte die 8. Etappe nach Ax-3 Domaines liefern. Das Zeitfahren der 11. Etappe wird wegen der idyllisch gelegenen Insel St. Michel ein visuelles Spektakel. Am französischen Nationalfeiertag reizt ein Ausscheidungsfahren am Mont Ventoux. Einen Ruhe- und zwei Renntage später könnte das Zeitfahren von Embrun nach Chorges für eine Vorentscheidung sorgen. Läuft die Tour aber nach dem Drehbuch der Planer ab, passiert dies erst tags darauf in L’Alpe d’Huez. Besonders die Abfahrt löst hier Kopfschütteln aus. »Die Straße ist alt, schmal und huckelig. Man fährt fast wie auf Kopfsteinpflaster und hat sehr schlechte Kontrolle über sein Vorderrad. Es gibt keine Leitplanke, rechts geht es einen Steilhang von 30 bis 40 Metern hinunter. Wenn ein Fahrer eine Abzweigung verpasst, wird es das gewesen sein«, beklagte sich Zeitfahrweltmeister Tony Martin und warf den Tourorganisatoren »absolute Verantwortungslosigkeit« vor. Auch sein sportlicher Leiter Rolf Aldag blickt skeptisch auf diese Novität. »Wir waren es gewohnt, nach dem Ziel nur noch wenige 100 Meter zu den Hotels zu fahren und haben am Aufstieg alles gegeben. Jetzt müssen die Fahrer noch weiter hoch und dann die schwierige Abfahrt bewältigen«, meinte er gegenüber »nd«.

Dies könnte die Schlüsselgelegenheit für die Kontrahenten des großen Favoriten Chris Froome sein, der Aufsicht von dessen Team Sky zu entkommen. Vor allem die taktisch gewieften Spanier Alberto Contador (Saxo Bank), Joaquim Rodriguez (Katusha) und Alejandro Valverde (Movistar) sind gefragt. Die zwei folgenden Bergetappen sind nicht lang oder in der Ankunft nicht schwer genug, als dass hier noch viel geschehen dürfte. Und wenn der Einsatz von Epo tatsächlich zurückgegangen ist, dann müssten die Leistungsunterschiede an einzelnen Tagen wieder größer und das Geschehen spannender werden.

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