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Brasilien träumt vom Hexa Campeão

Nach Sieg beim Confed Cup hoffen die Gastgeber auf ihren sechsten WM-Titel

  • Von Marco Mader und Heiner Gerhardts, SID
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit einer nicht für möglich gehaltenen Gala gegen Weltmeister Spanien hat Brasilien seinen Stolz als Fußballnation zurückerlangt. Plötzlich ist der Glaube an einen Coup bei der Heim-WM wieder da.

Nach der begeisternden »Fußball-Festa« gegen den entzauberten Weltmeister feierten Superstar Neymar und Co. eine kleine Sambaparty auf dem Rasen - und 197 Millionen Brasilianer glaubten endlich, was ihnen Trainer Luiz Felipe Scolari zurief: »Wir dürfen träumen!« Träumen von weiteren Festtagen bei der Heim-WM im kommenden Jahr. Träumen von erneuten Gala-Auftritten der neuen Seleção. Träumen aber vor allem von der »Hexa Campeão« - dem sechsten WM-Titel für den Rekordweltmeister.

»Wir haben die beste Mannschaft der Welt mit einigen der besten Spieler der Welt bezwungen. Brasilien hat der Welt gezeigt, dass man uns Respekt entgegenbringen muss«, sagte Neymar nach dem 3:0 (2:0) im Confed-Cup-Finale gegen die zuvor in 29 Pflichtspielen ungeschlagene Selección. Neymar (44.) und Fred (2./47.) hatten den Fußballtempel Maracanã in Rio de Janeiro mit ihren Treffern in ein Sambadrom verwandelt. Im Anschluss ließen die »Kanarienvögel« angeführt von Bayern-Profi Dante mit dem Tamburin die Hüften kreisen. Nur Klubkollege Luiz Gustavo war wohl zu müde und genoss den größten Sieg Brasiliens seit dem WM-Triumph 2002 gegen Deutschland etwas abseits der Jubeltraube eher still.

Als Kapitän Thiago Silva den goldenen Pokal in die Höhe reckte, wirkte es fast, als wäre der ersehnte WM-Triumph schon gelungen. Und das lag nur bedingt an der Ähnlichkeit des Cups mit dem WM-Pokal. Konfetti flog, 73 531 Fans ließen Maracanã in seinen 63 Jahre alten Grundfesten erzittern, Brasilien vergaß für einen Moment die schwierigen sozialen Verhältnisse und die daraus resultierenden Proteste der vergangenen Tage.

Staatspräsidentin Dilma Rousseff gratulierte der Mannschaft »an diesem historischen Tag« zum Titel. Die Spieler hätten der Welt ein großes Spektakel geboten und die Herzen der Brasilianer mit »Freude, Kreativität und Teamgeist« gewonnen, sagte die Politikerin, die dem Finale aus Angst vor Pfiffen ferngeblieben war. Der Unmut von Teilen der Bevölkerung warf auch am Finaltag einen Schatten auf die »Mini-WM«. Wieder gab es Tränengas gegen Demonstranten. Dass FIFA-Präsident Joseph S. Blatter trotz solcher Szenen und anderer Probleme unwidersprochen vom »besten Confed Cup aller Zeiten« sprechen durfte, hatte fast nur fußballerische Gründe.

Und Brasilien trug dazu viel bei. Vor allem Neymar, der erstmals auf einer der großen Fußballbühnen seine außergewöhnliche Klasse zeigte. Von Journalisten aus aller Welt wurde er zum besten Turnierspieler gewählt. »Wir waren besser als wir es erwartet hatten«, sagte Neymar, selbst überrascht darüber, wie Brasilien den Gegner hinwegfegte.

»Wir haben eine Mannschaft, die es mit allen aufnehmen kann«, sagte Trainer Scolari. Auf dem Gipfel sieht er die Seleção gleichwohl noch nicht. »Wir müssen noch viel arbeiten, um dahin zu kommen, wo Spanien und Deutschland sind, auch Argentinien darf man da nicht vergessen.« Doch der Glaube an einen Coup 2014 sei jetzt wieder da, betonte er.

Die Fans demonstrierten dies mit dem Gesang »der Champion ist zurück!«. Dieses Selbstvertrauen sei jedenfalls gestiegen durch den vierten Erfolg beim Confed Cup, meinte Scolari. In der verbleibenden Zeit wolle er weitere Spieler testen, auch die früheren Stars Ronaldinho und Kaká dürften noch hoffen. »Die Tür ist offen«, sagte Scolari.

Spaniens Trainer Vicente del Bosque hält Brasilien für »einen der Favoriten. Sie spielen zu Hause, haben eine tolle Mannschaft und sind zuletzt immer besser geworden.« Ein Drama wollte er nicht aus der höchsten Pflichtspielniederlage seit mehr als 28 Jahren machen: »Manchmal verliert man. Wir glauben ja nicht, dass wir unverwundbar sind.«

Es sei ohnehin nur ein Ausrutscher gewesen, betonte Verteidiger Sergio Ramos, der einen Foulelfmeter neben das Tor schoss (55.). »Es musste ja irgendwann der Tag der Niederlage kommen, wir sind schließlich keine Maschinen.« Und: Die richtige WM komme ja noch ...

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