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Ziege des Softpop

Devendra Banhart spielt im Huxley's

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1981 in Houston, Texas geboren, benannt nach dem indischen Lieblingsguru seiner Hippie-Eltern, großgeworden in Venezuelas Hauptstadt Caracas, galt der ehemals pechschwarzes Walle-Walle-Haar, dicke Klunker und hübsche Frauenkleider tragende Devendra Banhart als schillerndste Figur des Freak Folk. Heute spielt das Original in Huxley's Neuer Welt.

In puncto LSD-assoziativer Schlagfertigkeit mussten sogar die ebenfalls hochbegabt exzentrischen Schwestern von CocoRosie einpacken: Seine Interviewer drückte der ironisch versierte Posterboy des »New Weird America« regelmäßig an die Witzewand. Mit Folk - haha, zur Hölle nein! - will er nie im Leben was zu tun gehabt haben. Zahnpasta mag er nur, wenn sie ganzheitlich gedacht ist und von einbeinigen Tauben cremig angerührt wurde. Und auf seinem jüngsten, übrigens sehr schönen Album »Mala« klingt Banharts Stimme »wie eine Bergziege, die gerade auf der Alm missbraucht wird und um Hilfe schreit«. Sagte Banhart der »taz«, und er muss ja es wissen.

Nun ist Freak Folk, wie er Anfang der Jahrtausendwende von Amerika aus in die Welt kam, um uns ein längeres Erinnerungslied davon zu singen, dass es bereits vor 1980 hervorragend verschrobenen Folk von Künstlern wie Vashti Bunyan und den Holy Modal Rounders gab, ja eigentlich vorbei. Zumindest wird inzwischen ohne »Ui!« und »Potzblitz!« über derlei Folkzusammenhänge geschrieben. Auch gut.

Was Devendra Banhart anbelangt, so scheint ihm der innere Zwang, den großen brasilianischen Tropicalisten Caetano Veloso zu imitieren, weitestgehend abhanden gekommen. Was freilich gar nichts macht, denn das neue große Vorbild bekiffter Anverwandlung heißt Softpop im tiefenentspannten Laid-Back-Modus. Deshalb dürfen auch fein versponnene Synthie-Sounds nicht fehlen.

Konzentriert schlank instrumentiert ist diese Arbeit, psychedelisch aufgeladen durch leichten Hall und mit ausreichend Klangraum für den (akustischen) Gitarrenvordergrund versehen. Es gibt allerlei niedliche Twists oder kleine Spinnereien wie einen überraschenden House-Beat in einem auf deutsch gesungenen Songabschnitt, wo es dann sehr philosophisch-poetisch heißt: »Als eine flame reist du durch das essentialisierte Universum, inzwischen trinken wir unser Glas des Himmels.«

Für Resümee-Freunde: »Mala« ist ein ganz wundervoller Mikrokosmos eigensinnigen Folk-Pops. Dabei leicht zu hören, also nur ein bisschen verschroben. Und dank Devendra Banharts interessanter Stimme könnte das Album sogar die eine oder andere Ziege aufmerken lassen. Meckern, lernen wir mit dem Künstler, muss nicht automatisch etwas Schlechtes sein.

Konzert: heute, 21 Uhr, Huxley's Neue Welt; aktuelles Album: Devendra Banhart: »Mala« (Nonesuch / Warner)

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