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Wer ist hier das Problem?

Ein von Roma bewohntes Haus in Neukölln sorgt für Streit - die Verwaltung gibt sich ahnungslos

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Die einen beschweren sich über »starke Lärmbelästigung durch Menschenmengen vor dem Haus«, die anderen verweisen darauf, dass Sprechen und Spazieren auf dem Gehweg in Berlin wohl kaum verboten sei: Bei den Bewohnern der Stuttgarter Straße in Neukölln gehen die Meinungen über das von etwa 30 Familien aus Rumänien und Bulgarien, darunter viele Roma, bewohnte Haus in ihrer Straße offensichtlich stark auseinander.

Ende Juni erreichte das Bezirksamt Neukölln ein Offener Brief, unterzeichnet mit »Anwohner der Stuttgarter Straße«. Die Absender bitten um eine »schnellstmögliche Beruhigung der sich immer weiter eskalierenden Situation« und sehen ihre Lebensqualität durch die rumänischen und bulgarischen Nachbarn beeinträchtigt. Von »bis spät in die Nacht herumtobenden Kindern« ist die Rede, auch von Müll auf der Straße und Kakerlakenbefall. »Tägliche Anrufe beim Ordnungsamt und der Polizei« hätten bisher keinen Erfolg gebracht.

Wenige Tage später folgte ein Brief von anderen Nachbarn. Von einer »eskalierenden Situation« könne nicht die Rede sein, heißt es dort. Die Geräusche gingen nicht über das Maß der »alltäglichen Begleiterscheinungen des Wohnens in einer Großstadt hinaus«.

Die Verfasser dieses Briefs sehen das Problem woanders: Das Haus sei eine »Schrottimmobilie«, die so eigentlich nicht vermietet werden dürfe. Auftretende Schäden würden in der Regel nicht behoben, die Miete sei völlig überzogen, die Mieter von der Hausverwaltung eingeschüchtert. Hier stimmen beide Briefe überein: Die Hausverwaltung, heißt es einstimmig, reagiere nicht auf Hinweise und Beschwerden. Das bestätigt auch Anwalt Tilman Clauß, der bereits mehrere Familien im Haus vertreten hat: »Im letzten Winter gab es in einigen Wohnungen über Monate hinweg keine funktionierende Heizung. Der Vermieter reagierte aber erst, als Klage eingereicht wurde.« Auch von Einschüchterungen berichtet er.

Dass in Berlin Wohnungen in heruntergekommenen Häusern zu Wucherpreisen an Familien aus Rumänien und Bulgarien vermietet werden, ist kein Geheimnis. Auch der Eigentümer des Hauses in der Stuttgarter Straße ist dabei kein Unbekannter: Thilo Peter, Steuerberater und aktiv im CDU-Ortsverband Charlottenburg-Nord, besitzt insgesamt fünf mehr oder weniger baufällige Häuser in Berlin, die er fast ausschließlich an Rumänen und Bulgaren vermietet.

Sein Zwillingsbruder Michael Peter, der in den Häusern die Hausverwaltung übernimmt, erklärt in einem Beitrag des ZDF aus dem letzten Jahr ganz offen, Roma seien aus Vermietersicht vorteilhaft, weil sie sich weniger beschwerten und Reparaturmaßnahmen oft selbst übernähmen.

Dem Bezirk ist das Problem bekannt: »Die Vermieter nutzen aus, dass diese Menschen keine Alternative haben - das ist ein Geschäftsmodell«, sagt die Neuköllner Stadträtin Franziska Giffey (SPD). Sie hat auf das Problem reagiert, indem sie die Verfasser der beiden Briefe am Mittwoch zu einem Runden Tisch ins Rathaus einlud. Auch Vertreter der Polizei und Ämter nahmen teil. Der Hausverwalter Michael Peter war ebenfalls anwesend - und gab sich ahnungslos. Seine Aussage, er wisse nichts von Überbelegung und Mängeln in den Wohnungen, sorgte allerdings für Gelächter. »Herr Peter ist häufig vor Ort und kennt die Situation sehr wohl« sagt Clauß. Auch die Ankündigung des Verwalters, im Hof Kameras installieren zu wollen, um so für mehr Ordnung zu sorgen, hält er für verfehlt: »Er soll die Wohnungen in Ordnung bringen, wie es seine Pflicht als Hausverwalter ist«, sagt er. Das sieht auch Giffey so: »Wenn die Hausverwaltung nicht in der Lage ist, sich über ihr Haus zu informieren und Mängel zu beseitigen, muss sie es abgeben an jemanden, der das kann«, sagt sie. Im Herbst soll es einen zweiten Runden Tisch im Rathaus geben.

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