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Wind und Wasser, Golf und Geschichte

Golf als Breitensport, Strand-Action und ein 180 Kilometer langer Küstenwanderweg an Schottlands Ostküste

Die Kleinstadt St. Andrews an Schottlands Ostküste kann von sich behaupten, die nach Oxford und Cambridge älteste Universität Großbritanniens zu haben. Historisch interessant sind auch die beiden im Ortskern gelegenen Ruinen der Kathedrale und der Burg. Doch St. Andrews› Gegenwart und sein Ruf in aller Welt sind von einem anderen Jahrhunderte alten Kulturgut geprägt: Golf.

St. Andrews gilt als eine der Geburtsstätten dieses Sports. Es kann zwar nicht genau geklärt werden, wo in Schottland er in seiner heutigen Form zuerst gespielt wurde. Doch das knapp zwei Autostunden nördlich der Hauptstadt Edinburgh gelegene Städtchen hat einiges aufzubieten, um die Bezeichnung »Heimat des Golfs« zu rechtfertigen: Seit 1400 wurde das Golfspiel hier dokumentiert; das erste Golfturnier mit Preisgeld fand 1819 in St. Andrews statt; der Profi-Golf-Pionier Tom Morris entwarf hier Golfplätze und eröffnete 1866 ein Geschäft, das als ältester Golf-Laden der Welt gilt; seit 1897 gibt der örtliche Verein »The Royal and Ancient Golf Club« die fast auf der ganzen Welt akzeptierten Regeln des Sports heraus. Und in St. Andrews befindet sich sogar das Britische Golf-Museum, das in einer sehenswerten Dauerausstellung die Entwicklung des Sports über die Jahrhunderte zeigt (und etwa auch über die Rolle der Kleidung und über Golfplatzarchitektur aufklärt).

Heute wirkt St. Andrews‹ Anziehungskraft auf Golfspieler in aller Welt. Auf einem der berühmtesten Plätze der Welt, dem zuerst 1754 benutzten »Old Course«, und auf unmittelbar benachbarten Plätzen werden hier weiterhin wichtigste Turniere gespielt. Das ganze Jahr über lassen es sich Nicht-Profis viel Geld kosten, auch mal auf diesem nur durch eine Straße vom Strand getrennten Grün zu spielen.

Golf ist in Schottland nicht Eliten-, sondern Breitensport. »Golf wird von allen sozialen Klassen gespielt«, sagt die Fremdenführerin Morag Dunbar. »Das war schon immer so. Jede Stadt hat öffentliche Plätze, die nicht teuer sind. Auch viele pädagogische Projekte gibt es, um jungen Menschen das Spiel näher zu bringen.«

Bei Überlandfahrten fallen immer wieder Golfplätze auf, die mangels Klubhaus und Umzäunung an die Zugänglichkeit von Bolzplätzen erinnern. Wer im Schottlandurlaub mit Golf beginnen will, findet extra dafür angebotene Plätze und Übungshallen, versichert Morag Dunbar. Gefallen könnte bisherigen Golfabstinenten vielleicht auch die charakteristische Golfkleidung, die in St. Andrews in mehreren Geschäften angeboten wird: Pullunder, Mützen, Kniestrümpfe und vor allem lange Hosen oder solche, die nur bis zum Knie reichen mit Karo- oder Streifenmustern.

Morag Dunbar kann zum schottischen Volkssport viel erzählen. Sie ist Mitglied der Vereinigung der Schottischen Touristenführerinnen und -führer STGA. In deren Online-Datenbank finden sich geprüfte Fachleute, die individuell für Reisen auch durch größere Landesteile gebucht werden können. Alle sind freiberuflich tätig. Morag Dunbar etwa kann Gruppen im Kleinbus herumfahren - und dabei gelegentlich ein Volkslied zum Besten geben. Nach Feierabend trinkt die 67-Jährige auch mal mit ihren Gästen einen Whisky und berät sie dabei angesichts der großen Auswahl.

St. Andrews hat neben Golf noch mehr zu bieten. Namensgeber ist der Heilige Andreas, von dem angeblich Knochen hierher gelangt sein sollen. Deshalb auch war der Ort vom 8. bis ins 16. Jahrhundert ein Wallfahrtsort und bekam eine Kathedrale. St. Andrews wurde im Mittelalter Bischofssitz und religiöses Zentrum, und somit Kampfplatz der Reformation. An einem der alten Universitätsgebäude erinnert ein Gedenkstein an Patrick Hamilton, den 1528 auf dem Scheiterhaufen hingerichteten, vielleicht ersten protestantischen Märtyrer Schottlands, wie Morag Dunbar erklärt. Die an der Küste gelegene kleine Burg wurde im Zuge religiöser Kämpfe schwer beschädigt und ist, nicht zuletzt durch den Einfluss des Wetters, heute eine Ruine. Auch die Kathedrale ist eine bemerkenswerte Ruine. Die umliegenden Rasenflächen werden gerne für Picknicks genutzt - trotz der unmittelbaren Nachbarschaft eines kleinen, nicht baulich abgetrennten Friedhofs.

Wer statt Golf und Geschichte Wind und Wasser haben möchte, kann zu »Blown Away« gehen. Wenige Hundert Meter vom »Old Course« aus die Küste entlang befindet sich hier Schottlands einzige Gelegenheit zum Landyachting. Das bedeutet, in einem Gefährt, das an ein Kettcar erinnert, segelnd über den Strand zu rasen. Dabei muss das Segel richtig in den Wind gehalten werden. Gesteuert wird mit den Füßen. Gegründet hat »Blown Away« Guy McKenzie gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder 2007, in ihrem letzten Jahr als Sportstudenten.

Die Bedingungen für Landyachting hier sind gut: Der Strand ist über 50 Meter breit, frei von Steinen und meistens weht ein kräftiger Wind. Landyachting ist das ganze Jahr über möglich, erklärt Guy: »Es ist ja kein nasser Sport - du musst dich nur gut anziehen.« Nasser Sport bietet sich an windarmen Tagen an. Bei »Blown Away« sind Stehpaddeln und Fahrten mit einem Kajak oder aufblasbaren Katamaran im Angebot.

Wer weder nassen noch windigen noch den Golfsport will, andererseits aber auch nicht (mehr) den Kopf mit St. Andrews› reicher Historie füllen mag, kann den Küstenwanderweg versuchen, der durch die Stadt führt. Er ist insgesamt 180 Kilometer lang, beginnt an der Mündung des Flusses Forth, unweit von Edinburgh, und führt bis zur Mündung des Flusses Tay. An vielen Stellen ist er für jedermann leicht begehbar, manchmal jedoch hat er schon ein paar sportliche Herausforderungen parat. Einige Teilstrecken sind als fahrradgeeignet ausgeschrieben. Entlang des Wegs kommen geologisch und archäologisch Interessierte genauso auf ihre Kosten wie jene, die sich für Flora, Fauna oder gar für militärische Verteidigungsanlagen begeistern. Der Küstenwanderweg wird von einer Stiftung gepflegt, die sehr großen Wert darauf legt, die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu erhalten.

Der Weg kann in kurzen Teil᠆etappen begangen werden, sodass sich jeder das für sich Passende aussuchen kann. Auch acht Campingplätze gibt es, und in »Welcoming Ports« genannten Läden und Restaurants finden Wanderer Informationsmaterial und ein Plätzchen zum Ausruhen.

Die Region an Schottlands Ostküste bietet also Urlaubsspaß für die ganze Familie. Und was besonders gut ist: In Schottland darf auf jeglicher nicht eingezäunter Fläche mindestens eine Nacht gezeltet werden.

  • Infos: »Visit Britain«, Alexanderplatz 1,10178 Berlin, Tel.: (030) 315 7190, www.visitbritain.com/de ● Infos zu Schottland: www.visitscotland.com/de
  • Datenbank der Vereinigung der Schottischen Touristenführerinnen und -führer STGA: www.stga.co.uk
  • Landyachting und Wassersport in St. Andrews: www.blownawaylandyachts.co.uk
  • Küstenwanderweg in Fife: www.fifecoastalpath.co.uk

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