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Schubkarren werden nicht mehr gebraucht

Sanierung der S-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde kommt voran

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518 Doppelwagen hatte die S-Bahn gestern im Einsatz, 531 könnten es sein, wenn wegen der Bauarbeiten am Südring und auf der S 1 zwischen Schönholz und Frohnau nicht ein paar Züge weniger zum Einsatz kommen würden. Damit sind fast wieder so viele S-Bahnen unterwegs wie vor Ausbruch der Krise, so dass bis auf wenige Verstärkerzüge das komplette Programm gefahren werden kann.

Einen Teil dazu beigetragen hat die Reaktivierung der Betriebswerkstatt Friedrichsfelde. 2006 wurde sie von der alten S-Bahn-Geschäftsführung geschlossen, um die Sparvorgaben der Bahn-Konzernzentrale zu erfüllen. Folge war schlampige oder gleich ganz unterlassene Wartung an den Zügen. 2010 wurde die Werkstatt wiedereröffnet und im vergangenen Jahr ein 15 Millionen Euro teures Umbau- und Erweiterungsprogramm gestartet.

Die Belegschaft hat für die Wiedereröffnung gekämpft. »Wir hätten nie gedacht, dass dies hier dicht gemacht werden könnte, so zentral und damit verkehrsgünstig, wie das Werk gelegen ist«, sagt Fertigungsmeister Heinz Ehrlicher. Seit 1992 arbeitet er schon in Friedrichsfelde, unterbrochen von einem vierjährigen »Abstecher« ins Betriebswerk Wannsee. »2010 mussten wir hier ganz klein anfangen, mit drei Leuten in der Schicht und kleinen Heizlüftern in der Halle.« Heute arbeiten bis zu zwölf Kollegen in einer Schicht, und der Schnee, der sich an den Wagen festsetzt, muss auch nicht mehr mit Schubkarren aus der Halle gefahren werden, weil die Heizung fürs Auftauen nicht ausreicht. »Das Werk wird gebraucht, und wenn alles fertig ist, wird die Arbeit hier viel leichter und effizienter«, ist sich der Mann aus Hohenschönhausen sicher.

Derzeit werden in Friedrichsfelde täglich bis zu 18 Doppelwagen der der Linien S 5 und S 75 planmäßig gewartet, hinzu kommen weitere mit Störungen oder Vandalismusschäden. 65 Mitarbeiter kümmern sich darum, fast so viele wie vor der Krise. In ein paar Jahren, wenn die S 3 wegen der Bauarbeiten nicht mehr am Ostkreuz endet, werden es 90 sein, weil dann auch die Wagen dieser Linie statt in Erkner in Friedrichsfelde gewartet werden.

Die Umbauarbeiten in Friedrichsfelde sollen Ende 2015 beendet sein. Dann werden die Züge wieder von beiden Seiten in die zwei Reparaturhallen rollen können, was die Logistik wesentlich vereinfacht. Derzeit ist das nur aus Richtung Lichtenberg möglich, weil die östlichen Einfahrtgleise erneuert werden. »Hier war zwischendurch ein kleines Biotop entstanden«, so Betriebsleiter Tobias Fischer. Die Büsche und Bäume standen allerdings auf kontaminiertem Untergrund. Denn bevor 1960 die Gleise verlegt wurden, standen hier Lokschuppen und ein Bunker für das Lampenöl der alten Züge. Also musste der Boden komplett ausgetauscht werden. Jetzt gibt›s hier die modernste Gleisentwässerung Berlins, die jeden Wassertropfen reinigt, der mit den Bahnen Kontakt hatte.

Ab Ende August soll die Ostseite fertig sein, dann wird die Westzufahrt erneuert. Auch die Sanierung der aus den 1890er bzw. 1950er Jahren stammenden Hallen beginnt. Beide stehen unter Denkmalschutz. Der wird auch beachtet, allerdings muss das Gefälle aus dem 50er-Jahre-Bau entfernt werden. »Damals konnte man die Wagen zur Not mit der Hand aus der Halle schieben, das brauchen wir heute hoffentlich nicht mehr«, so Fischer. Vielmehr sei die Null-Ebene notwendig, um die Räder genau vermessen zu können. Die Räder waren bekanntlich die Schwachstellen der Bahnen

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