Oben und unten

Das große Lexikon des Verbrechens

  • Von Erich Buchholz
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Zu Recht betont Norbert Borrmann, dass unser Verhältnis zu Verbrechen ambivalent ist. »So schreit der brave Bürger laut und scharf nach harten Strafen gegen Kriminelle, auf der anderen Seite aber schaltet er den Fernseher an und schaut einen Krimi!« Und tatsächlich sind viele Berufe von der Kriminalität abhängig: Polizisten, Ermittler, Staatsanwälte, Richter, Verteidiger und Strafrechtslehrer ... Aber auch Schriftsteller und Regisseure leben von ihr, lassen sich von wahren Verbrechen inspirieren. Nicht folgen kann ich jedoch des Autors Ansicht, dass »Verbrechen elementar und ein Teil der menschlichen Natur« seien. Borrmann, der Architektur, Kunstgeschichte, Alte und Neuere Geschichte in Bremen und Berlin (West) studierte und bereits mehrere Publikationen zu den Schattenseiten des menschlichen Lebens verfasst hat, legt nun eine neues »Großes Lexikon des Verbrechens« mit über 1000 Stichworten vor: von »Abel« (der nach der Bibel seinen Bruder Kain erschlug) bis zu »Zwangsarbeit« erfährt der Leser fast alles rund um das die Menschen immer wieder reizende Thema. Der Leser begegnet hier u. a. Al Capone und Edgar Wallace, Paul Johann Anselm Feuerbach und Alfred Dreyfus, aber auch Mata Hari sowie Ethel und Julius Rosenberg (wobei die Zweifelhaftigkeit ihrer Verurteilung nicht erwähnt wird). Delikte in der Antike und im Mittelalter kommen zur Sprache, Gotteslästerung und Hexerei, Pfählen, Kreuzigung, Steinigung und Rädern. Der Autor befasst sich mit Organisierter Kriminalität und mafiosen Strukturen heute, berichtet über Geldwäsche und Computerkriminalität. Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit werden thematisiert, informiert wird über den Nürnberger Prozess gegen die Hautkriegsverbrecher sowie den erst kürzlich ins Leben gerufenen Internationalen Strafgerichtshof. Ganz aktuell beschäftigt sich Borrmann auch mit der in nicht wenigen Ländern und auch von US-Behörden nach wie vor praktizierten Folter. Insofern ist das Lexikon eine wahre Fundgrube. Von Geheimbünden und Geheimdiensten ist die Rede. Die Gaunersprache wird erläutert. Der »Hauptmann von Köpenick« ist angeführt - aber die Köpenicker Blutwoche von 1933 vergessen. Hitler und Stalin finden sich hier ebenso wie - welch merkwürdige Auswahl! - die RAF-Aktivisten Ulrike Meinhof und Andreas Baader, Osama bin Laden sowie Egon Krenz. Warum dann nicht auch Erich Honecker? Dass der Autor aus Westdeutschland stammt, ist auch aus dem Literaturverzeichnis ersichtlich, das keine DDR-Schriften kennt. Und was zum Stichwort »DDR und Verbrechen« geschrieben steht, ist größtenteils falsch oder zumindest entstellt, gemäß dem Zeitgeist. Auch die »Vereinigungskriminalität« wird in gängiger Diktion abgehandelt. Als Strafrechtler vermisse ich eine ernsthafte Definition der Begriffe Verbrechen und Straftat. Nicht alles, was durch ein Gesetz unter Strafe gestellt wird, ist auch wirklich ein Verbrechen. Und umgekehrt wird manch wirkliches Verbrechen von den Strafgesetzen nicht erfasst. Borrmann weiß aber sehr wohl zwischen Verbrechen von »oben« und solchen, die von »unten« kommen, zu unterscheiden. Dem politisch interessierten Leser werden die Unruhen jüngst in Pariser Vorstädten in den Sinn kommen, die Ausdr...

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