Alte Säulen werben um Geld für neuen Landtag

Freiluftausstellung mit Fragmenten des Potsdamer Stadtschlosses auf dem Kutschstallhof eröffnet

  • Von Katja Holzhei
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.
Mit einem Spendenaufruf eröffnete Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) am Freitag auf dem Kutschstallhof am Potsdamer Alten Markt eine Dauerausstellung, die historische Skulpturenfragmente des beseitigten Stadtschlosses zeigt. »Die Installation soll inspirieren, die Geldbeutel zu öffnen«, sagte Jakobs. Im Innenhof des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte werden Einzelteile gezeigt, die vor dem Schlossabriss geborgen wurden. Im Mai 2005 hatte der Landtag nach langer Debatte beschlossen, auf dem Alten Markt ein Parlamentsgebäude zu errichten, das so groß wie das frühere Stadtschloss ist und eine historischen Fassade bekommt. Der neue Landtag soll 2011 fertig sein. Bezahlen sollen das Investoren und Spender. Jakobs sieht in der Dauerausstellung die einmalige Chance, sich die Originalteile anzusehen. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) betonte, dass Potsdam mehr als nur Sanssouci sei. Der neue Landtag werde dazu beitragen, die Stadt wieder zu einem »Gesamtkunstwerk« zu machen. Zu sehen sind in der Freiluftausstellung unter anderem das Giebelrelief »Apollon und die neun Musen«, von dem Bildhauer Johann Gottlieb Heymüller im Jahre 1750 geschaffen, zwei Sitzfiguren des Kopfbaus sowie verschiedene Säulen. Informationstafeln geben Auskunft über die Ausstellungsstücke, deren ursprünglichen Standort und das Schicksal des Schlosses nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Gebäude war im April 1945 schwer beschädigt worden, als britische Flugzeuge Potsdam bombardierten. 1960 wurden die Überreste des Schlosses gesprengt, die Trümmer beiseite geräumt. 30 Jahre später kam die Idee auf, das Schloss wieder zu errichten. Entsprechende Vorschläge diskutierten Bürger und Politiker sehr kontrovers. Die Einwohner sind gespalten. Knapp die Hälfte von ihnen wünschte sich im Jahre 2003 das Stadtschloss zurück. Dies ergab damals eine Umfrage im Auftrag des PDS-Kreisverbandes. Befürworter des Schlosses, darunter zahlreiche Prominente wie Fernsehmoderator Günther Jauch und Modedesigner Wolfgang Joop, sowie die Potsdamer SPD und die CDU, sehen im Wiederaufbau die Möglichkeit, den Altstadtkern architektonisch aufzuwerten und einen weiteren touristischen Anziehungspunkt zu schaffen. Oberbürgermeister Jakobs wies bei der gestrigen Ausstellungseröffnung darauf hin, dass ein Landtagsgebäude am Alten Markt mit historischer Fassade eine enorme städtebauliche Wirkung habe und sowohl Gäste als auch Bürger der Stadt anziehen werde. Außerdem gehörten der Alte und der Neue Markt historisch gesehen zusammen. Es solle endlich »zusammengefügt werden, was zusammengehört«. Im Moment bildet die Friedrich-Ebert-Straße eine räumliche Zäsur. Die Linkspartei stößt sich an den Kosten, die auf 150 Millionen Euro geschätzt werden. Inbegriffen ist in dieser Summe der Aufwand für die Erschließung. Die Linkspartei würde es begrüßen, wenn man darüber nachdenkt, den neuen Landtag am Brauhausberg zu bauen, wo es ausreichend Platz gibt. Zwar soll dort ein Freizeitbad nach den Entwürfen des brasilianischen Stararchitekten Oskar Niemeyer hin. Doch scheitert dieses Projekt an der Finanzierung, würde nichts dagegen sprechen, die ohnehin baufertig vorbereitete Fläche am Brauhausberg zu nutzen, um an die Stelle ein neues Parlamentsgebäude zu setzen. Indessen ist allerdings geplant, Mitte 2008 mit den Bauarbeiten auf dem Alten Markt zu beginnen. In dem neuen, knapp 13 700 Quadratmeter großen Landtagsgebäude soll es neben den Abgeordnetenbüros sechs Sitzungsräume, vier Beratungsräume, zwei Restaurants, eine Cafeteria und eine Tiefgarage geben. Auch an Platz für die Berliner Abgeordneten ist gedacht - dies für den Fall, dass es zu einer Länderfusion mit Berlin kommt. Scheitert die Fusion, zieht der Landesrechnungshof, der derzeit in der Dortustraße sitzt, mit ins Parlamentsgebäude. Wie weit das Architektur- und Investorenverfahren ist, verriet der Oberbürgermeister nicht. Es laufe jedoch alles nach Plan. Die wichtigsten Voraussetzungen seien erfüllt. Die Ausstellung im Ku...

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