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Krieg zwischen DDR und BRD - was meinen Sie?

Neue Berlin-Datenbank dokumentiert Wandel des politischen Klimas im Westberlin von 1945 bis 1974

Was hielten die Westberliner von den Studentenunruhen? Wie haben sie sich während des Mauerbaus gefühlt, und was war ihre Einstellung zur Moral? Antworten auf diese Fragen gibt fortan eine Berlin-Datenbank. An der Freien Universität (FU) wurde das Projekt gestern vorgestellt. Umfragen, Berichterstattung in Zeitungen oder Analysen dokumentieren, wie sich die Meinung der Westberliner zu verschiedenen politischen Themen in der Zeit zwischen 1945 und 1974 änderte. So erfährt man neben ihrer Einstellung zu großen politischen Ereignissen - zum Besuch des USA-Präsidenten John F. Kennedy oder der ersten Passierscheinaktion 1963 - auch ihre Positionen zur Preisentwicklung oder ob sie Verwandte in Ostberlin haben. Interessant ist es beispielsweise zu erfahren, dass 1960 ein Fünftel der Befragten einer EMNID-Studie glaubte, ein Krieg zwischen DDR und BRD sei nicht ausgeschlossen. Die verschiedenen Dokumente sind miteinander verlinkt. Per Mausklick lassen sich eingescannte Originalformulare öffnen, wo man noch die handschriftlichen Eintragungen der Umfragewerte sieht. Zahlreiche Zeitungsartikel bieten zusätzliche Informationen in komprimierterer Form. Daneben findet der Benutzer auch biographische Angaben zu Politikern jener Zeit. Erstellt wurde die Datenbank vom Otto-Stammer-Zentrum des Bereichs Politik- und Sozialwissenschaften der FU und dem Zentrum für Empirische Sozialforschung in Köln. Ihr Interesse gilt vor allem der Frage, wie die Bevölkerung Westberlins - und vor allem der Teil, der sich besonders engagierte - von behandelten Objekten zu handelnden Subjekten in der Politik wurde. Inszeniert hat das Projekt Prof. Harold Hurwitz. Der heute 81-jährige Soziologe und ehemalige Leiter des Meinungsforschungsprogramms des Senats kam 1946 aus den USA zum Schreiben seiner Dissertation nach Berlin. Zunächst hatte er aber drei Jahre lang eine zivile Stelle bei der US-Militärregierung - die einzige Möglichkeit für ihn, als amerikanischer graduate Student in Deutschland bleiben zu können, sagt er. Bis zu seiner Pensionierung 1988 lehrte der Professor an der FU. Fast 60 Jahre lang hat er die Fülle von Informationen zusammengetragen und ausgewertet, die fortan in der Datenbank verfügbar sind. Eine offizielle Webadresse hatte die Datenbank gestern aber leider noch nicht.

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