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Die Plattform »Give something back to Berlin« vermittelt Neuberliner an Sozialprojekte

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In Berlin lässt es sich für ziemlich viele Menschen ziemlich gut leben, und das hat sich längst herumgesprochen. Ob aus Brighton, Barcelona oder Baltimore, immer mehr junge Menschen zieht es an die Spree, viele von ihnen für eine erst mal unbestimmte Zeit. Längst hat sich eine Expat-Community (der Begriff kommt vom englischen »Expatriate« für Menschen, die für längere Zeit nicht in ihrem Heimatland leben) gebildet - wer möchte, kann sein gesamtes Berliner Leben von der WG über die Arbeit bis hin zur Party so gestalten, dass darin fast nur andere Expats vorkommen.

»Vielen Wahlberlinern fällt es schwer, andere Seiten der Stadt kennenzulernen und aus dieser Blase herauszukommen«, sagt Anders Ivarsson. Der 31-Jährige und seine Freundin Annamaria Olsson, 29, sind vor fünf Jahren von Schweden nach Berlin gezogen. Er arbeitet als Übersetzer und betreibt nebenbei ein kleines Plattenlabel, sie schreibt für eine schwedische Zeitung über Berlin. An Berlin schätzen sie die Freiheit, die niedrigen Mieten und das kreative Potenzial. So ganz zufrieden waren die beiden mit ihrem Leben in der Expat-Blase aber nicht: »Uns stört die Distanz, die oft zwischen Neuberlinern und den Leuten, die schon länger hier sind, bleibt«, so Ivarsson.

Mit Freunden diskutierte das Paar darüber, inwiefern sie als junge Kreative die fortschreitende Gentrifizierung in Berlin vorantreiben und in welchem Verhältnis sie ihren Aufenthalt hier zu der Entwicklung der Stadt sehen. Im Internet-Netzwerk Facebook veröffentlichten sie einen Text dazu. »Der war bewusst provokant geschrieben, so nach dem Motto: Wir nutzen hier die Stadt aus und geben ihr nichts zurück«, erzählt Ivarsson. Die Resonanz unter ihren Freunden war groß: »Viele meldeten sich bei uns und sagten, dass sie sich ja gerne in der Stadt engagieren würden, nur wüssten sie nicht, wie«, berichtet der Schwede. Schließlich entwickelten er und Olsson eine Idee: Ein Projekt, das junge Expats wie sie an soziale Einrichtungen vermittelt, die ehrenamtliche Helfer suchen - etwa für Kinderbetreuung in einem Jugendzentrum oder als Aushilfe in einem Nachbarschaftstreff. »Wir wollen bewusst Möglichkeiten für Wahlberliner schaffen, die vielleicht noch nicht so lange hier sind und noch nicht so gut deutsch sprechen«, sagt Ivarsson.

»Give something back to Berlin«, gib etwas an Berlin zurück, nennen die beiden ihr Projekt. Seit einem Monat ist die Seite online, zwanzig Gesuche und Angebote wurden bisher schon veröffentlicht, etwa 30 Personen bereits vermittelt. Die Palette ist groß: Ana bietet kostenlose Yogastunden, der Neuköllner Mädchentreff »Schilleria« sucht Helfer für ein Projekt auf dem Tempelhofer Feld, Manuel möchte in einer Suppenküche arbeiten.

»Wir wollen auch zeigen, was Ehrenamt abseits der klassischen Wege alles sein kann«, sagt Ivarsson. Manche Aktivitäten finden regelmäßig statt, andere sind einmalig oder zeitlich befristet, mal sind gute Deutschkenntnisse Voraussetzung, mal ganz unwichtig - so sollen die Angebote möglichst gut zu den Suchenden passen.

Die Portugiesin Maria João Arnaud kam vor zwei Monaten mit ihrem Freund nach Berlin und plant, hier zu bleiben. Zufällig stieß sie auf »Give something back to Berlin« und dort auf das Angebot des Projekts »Design your Summer« der Berliner Stadtmission, das kreative Sommerferienangebote für Berliner Kinder bietet. Zwei bis drei Mal in der Woche ist Arnaud jetzt in dem Projekt aktiv. Die Textildesignerin entwirft mit den Kindern Stempel und bedruckt Stoffe. Sie spricht nur wenig Deutsch, aber die Verständigung klappe trotzdem gut: »Wir kommunizieren auch mal mit Händen und Füßen, das ist kein Problem«, sagt sie. »Das Projekt ist eine super Sache für mich. Ich kann etwas von meinen Kenntnissen weitergeben und lerne dabei selbst sehr viel über diese Stadt und ihre Bewohner«, erzählt Arnaud. Wenn das Projekt beendet ist, will sie sich über »Give some᠆thing back to Berlin« eine neue Möglichkeit suchen, sich zu engagieren.

Auch Ivarsson und Olssun sind mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden: »Es gibt sehr viel Potenzial für dieses Projekt, wir könnten noch viel größer werden«, sagt Ivarsson. Momentan sind die beiden deshalb auf der Suche nach Förderungsmöglichkeiten, um das Netzwerk auszubauen.

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