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Die »schwarze Erde der Indios«

Buch erzählt Geschichte des Ackerbaus in einer Regenwaldkultur und zeigt moderne Anwendungen

  • Von Wolfgang Pomrehn
  • Lesedauer: 3 Min.

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Eine »schwarze Revolution« kündigt ein neues Buch an. Eigentlich ist es auch eine grüne, denn die Autoren beschreiben die Anbaumethode einer ausgestorbenen Kultur am Amazonas, die den Regenwald nachhaltig nutzte.

Gärtnern ist wieder in Mode, wenn auch nicht unbedingt im klassischen Schrebergarten. Heute darf es gerne der Bürgergarten oder das sogenannte Urban Gardening sein, das gemeinsame Gärtnern auf städtischen Brachflächen oder auch das individuelle auf dem heimischen Balkon. Der Umgang mit Erde und Pflanzen, das Heranziehen eigener Nahrungsmittel scheinen auch den modernen Menschen zu faszinieren.

Da kommt ein neues Büchlein gerade recht, das nicht weniger als eine »schwarze Revolution« ankündigt, bewerkstelligt mit einem gar nicht so neuen, aber in Vergessenheit geratenen Boden, der prächtige Ernten verspricht. Was diese »Terra Preta« (Schwarzerde) zu bieten hat, hört sich ein wenig nach eierlegender Wollmilchsau an. Sie verbessert die Böden, speichert Kohlenstoff, erhöht die Erträge, macht Kunstdünger überflüssig, verwertet Abfälle und hilft bei Trockenheit.

Am Anfang standen archäologische Funde. In den 1960er Jahren stießen Forscher im Amazonas-Regenwald auf Spuren einer ausgestorbenen Hochkultur, die es dort nach gängiger Lehrmeinung nicht hätte geben dürfen. Der Boden in tropischen Regenwäldern ist nämlich meist ausgesprochen arm. Die meisten Nährstoffe befinden sich in den lebenden Pflanzen und Tieren. Sterben diese, werden ihre Überbleibsel von Mikroorganismen in kürzester Zeit umgesetzt und wieder von Pflanzen aufgenommen. Für Landwirtschaft bleibt da nicht viel übrig, entsprechend können auch keine großen Bevölkerungen existieren.

Und doch fanden die Archäologen Hinweise auf große Städte im Urwald. Die Berichte des spanischen Eroberers Francisco de Orellanas aus dem 16. Jahrhundert waren also nicht frei erfunden. Die Städte wurden jedoch in den Jahrzehnten nach dem ersten Kontakt mit Europäern von eingeschleppten Seuchen entvölkert.

Doch wie hatten sich so viele Menschen ernähren können? Die Antwort bietet die »schwarze Erde der Indios« (portugiesisch: terra preta do indio) - kleine und größere Flecken schwarzer Erde, einen halben Meter dick und dicker.

Es hat ein wenig gedauert, bis Bodenkundler das Geheimnis der Fruchtbarkeit dieser Böden entschlüsselten. Inzwischen ist es enträtselt, und seit einigen Jahren gibt es weltweit eine schnell wachsende Gemeinde, die den Indios nacheifert und mit Herstellung und Anwendung der schwarzen Erde experimentieren. Ute Scheub, Haiko Pieplow und Hans-Peter Schmidt beschreiben in ihrem Buch Herstellung und Geschichte der Wundererde und stellen Projekte vor, die sie erforschen, wie etwa im Botanischen Garten Berlin, oder auch gleich zur Praxis übergehen, wie Landwirte im österreichischen Kaindorf. Ein faszinierendes Buch nicht nur für Landwirte und Hobbygärtner.

Ute Scheub, Haiko Pieplow, Hans-Peter Schmidt: Terra Preta - Die schwarze Revolution aus dem Regenwald. Oekom-Verlag. 208 S., 19,95 €.

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