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Gefeuerter Löscher

Kurt Stenger über den Führungswechsel bei Siemens

Sein Name war anfangs Programm: Als Peter Löscher 2007 überraschend Siemens-Chef wurde, steckte der DAX-Riese wegen Enthüllungen über ein flächendeckendes Korruptionssystem in der tiefsten Krise der Firmengeschichte. Dass ein Vorstandschef einen hauseigenen Skandal nicht unter den Tisch kehrte, sondern schonungslos aufklären ließ, ist in der Konzernwelt ungewöhnlich. Quereinsteiger Löscher stieg dabei nicht Wenigen auf die Füße. Sein Standing im Konzern soll bis heute nicht gerade gut gewesen sein. Das Sagen hatten oft die mächtigen Spartenchefs, die jetzt gerne den Thron einnehmen würden.

Was Löscher zu Fall brachte, war nicht die Aufklärungsarbeit, die das ramponierte Siemens-Image aufpeppte. Der Chef agierte ansonsten als Betriebswirt, der den riesigen Gemischtwarenladen ständig umkrempeln wollte, ohne eine Vision zu haben, die er langfristig verfolgte. So wurden Unternehmensteile abgestoßen, Firmen teuer hinzugekauft, technische Probleme etwa bei der Auslieferung von ICE schöngeredet. In der Konjunkturkrise folgte das übliche »Sparprogramm« zur Kostensenkung, das tausende Stellen bedrohte. Eine Kultur der Angst prangerten auch die Arbeitnehmervertreter an, die Löscher lange die Stange hielten. So ist sein Ende bei Siemens anders als sein Start ganz profan: Renditeziele verfehlt, Löscher gefeuert.

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