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Debüt mit WM-Gold gekrönt

Rekordweltmeister Thomas Lurz aus Würzburg im Freiwasserrennen über 25 km nicht zu schlagen

  • Von Andreas Morbach, Barcelona
  • Lesedauer: 3 Min.

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Was für ein letzter Auftritt der deutschen Freiwasserschwimmer bei den WM in Barcelona: Thomas Lurz (Würzburg) krönte sein Debüt auf der Marathonstrecke mit Gold, und Angela Maurer (Mainz) wurde an ihrem 38. Geburtstag WM-Zweite über 25 km.

Thomas Lurz hat in den vergangenen neun Tagen sehr viel Zeit in dem salzigen, mit öligen Flächen und diversem Unrat angereicherten Wasser vor Barcelonas Küste zugebracht. Am Samstagabend aber war damit Schluss. Da folgte Deutschlands Vorzeigeschwimmer einer Einladung von Chefbundestrainer Henning Lambertz zu den Beckenspezialisten des DSV. Bei den Londoner Spielen im letzten Sommer erfuhren die Frauen und Männer aus dem Pool allein durch mündliche Überlieferungen, wie sich olympisches Edelmetall anfühlt. Sie selbst fuhren komplett medaillenlos nach Hause, die erste Nullnummer seit 1932. Und weil die Aussichten auch für die acht WM-Tage im Palau Sant Jordi nur minimal besser sind, wurde nun Thomas Lurz zur Rede vor den Kollegen gebeten.

Und der 33-jährige Würzburger sprach, und zwar darüber, dass er eigentlich gar nicht so viel kann, dafür aber umso mehr will. »Ich bin«, hob der vierfache WM-Medaillengewinner von Barcelona an, »ja eigentlich nicht das Superschwimmtalent. Meine Vorteile sind Ehrgeiz und Willen - das will ich vermitteln.«

Damit war die Botschaft an Britta Steffen, Steffen Deibler und Gefolgschaft raus, Lurz schaute sich im deutschen Teamquartier um und entdeckte das einladend glitzernde und vor allem saubere Bassin der Unterkunft. Woraufhin der diplomierte Sozialpädagoge zweierlei beschloss. Erstens: »Ich lege mich jetzt in den Hotelpool.« Und zweitens: »Schwimmen werde ich nicht mehr.«

Denn die 45 Kilometer im schmutzigen Meerwasser der Moll de la Fusta aus der letzten Woche, verteilt auf vier Rennen, haben sein Bedarf an Kraulbewegungen bis auf Weiteres gesättigt. Am Samstag gewann der Olympiazweite von 2012, der nach den Heim-EM im nächsten Jahr entscheiden will, ob er den laufenden Olympiazyklus noch bis zu den Spielen 2016 in Rio de Janeiro vollendet oder lieber seine Karriere nach dem Sport vorantreibt, sogar über die Marathondistanz - sein zwölftes WM-Gold insgesamt. Nicht einmal war er zuvor über 25 Kilometer irgendwo an den Start gegangen. Und er krönte das Heldenepos, das sich um den zähen Würzburger rankt, dass er der Konkurrenz selbst bei dieser Premiere die Hacken zeigte.

Zu seinem Outfit gehörten dabei jede Menge Tapes, mit denen ihm die DSV-Ärzte vor dem Rennen seine durch die vielen Stunden im Salzwasser offenen Wunden am Hals und unter den Achseln zugepflastert hatten. So gerüstet konnte Lurz die knapp fünf Stunden im Mittelmeer ertragen, auch wenn er nach einem wilden Schlussspurt mit den Konkurrenten im Ziel schnaufte: »Auf den letzten 100 Metern hatte ich solche Schmerzen. Ich habe einfach meine Augen geschlossen und rausgeholt, was noch in mir drin war.«

Ein Mix aus Leistungs- und Leidensbereitschaft, vor dem sich die Verbandsoberen gemeinschaftlich verneigten. »Superlative gibt es für ihn nicht mehr. Thomas ist unfassbar - ein irrer Kerl«, meinte Chefcoach Lambertz, während sich die DSV-Präsidentin für ihre Laudatio einen hübschen Vergleich ausgedacht hatte. »Er hat eine irrsinnige Selbstdisziplin und diesen Kick auf den letzten Metern, der Champions ausmacht«, sagte Christa Thiel und versetzte sich gedanklich in einen Formel-1-Kurs: »Das ist mit Sebastian Vettel vergleichbar, der hat auch diesen Kick.«

Lurz› Teamkollegin Angela Maurer (Mainz) holte sich genau zu ihrem 38. Geburtstag WM-Silber über 25 km und grämte sich nur kurz über das haarscharf an die Italienerin Martina Grimaldi verlorene Gold. Als ihr das versammelte DSV-Team in der Nachmittagshitze ein Geburtstagsständchen sang, standen der Mutter eines achtjährigen Jungen die Tränen in den Augen. Gerührt über sich selbst, meinte sie: »Ich habe mir heute mein schönstes Geschenk selbst gemacht.«

Mit dem unverwüstlichen Duo Lurz und Maurer räumten die deutschen Distanzschwimmer bei diesen WM ab wie nie zuvor: in sieben Entscheidungen sechs Medaillen, von jeder Farbe zwei.

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