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Nichts übrig für schnelle Ergebnisse

Weiterfinanzierung anonymer HIV-Schnelltests durch Senat ist unsicher

2300 Berlinerinnen und Berliner wissen nicht, dass sie HIV-positiv sind. Das ist schlimm für sie persönlich, weil ein frühzeitiger Therapiebeginn die besten Ergebnisse bringt. Und es ist schlimm für jene, an die sie unwissentlich das Virus weitergeben. Genauso ist es bei Hepatitis C oder Syphilis.

Als Mittel, um möglichst viele Infektionen aufzudecken, haben sich die von Organisationen wie der Berliner Aidshilfe, Mann-o-Meter und Pluspunkt angebotenen Schnelltests bewährt. Ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe genügt und nach einer Stunde ist das Ergebnis da. Doch die Finanzierung ist nur bis Ende Januar 2014 gesichert. Dann sind die Mittel der Berliner Lottostiftung aufgebraucht. Obwohl Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus die Notwendigkeit sieht, das Angebot unbedingt fortzusetzen, sind in den Haushaltsplanungen der Behörde keine Mittel dafür vorgesehen.

»Das grenzt an unterlassene Hilfeleistung«, meint Elfi Witten vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, denn Früherkennung rette Leben. Gerade mit den angebotenen Schnelltests werden Zielgruppen erreicht, die sich sonst überhaupt nicht oder viel später untersuchen lassen würden. Über 4000 Menschen haben sich in 15 Monaten testen lassen, bei 53 wurde HIV diagnostiziert. Das sind rund zehn Prozent aller Berliner HIV-Diagnosen in dem Zeitraum.

Auch die Tests auf Syphilis und Hepatitis C hält Stephan Jäkel von Pluspunkt für sehr wichtig. »Wir können ein Screening von sexuell übertragbaren Krankheiten machen, das können Hausärzte gar nicht leisten«, sagt er. Bei den über 300 durchgeführten Tests auf Hepatitis C waren fast neun Prozent positiv. »Das zeigt, wie viele Leute mit einer unerkannten Infektion herumlaufen«, sagt Jäkel. Insgesamt seien sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch.

»Jede früh entdeckte HIV-Infektion kostet in der Therapie nur halb so viel wie eine spät entdeckte AIDS-Erkrankung«, sagt Jäkel. Das macht es für ihn umso unverständlicher, dass der Senat das Projekt nicht weiterfinanzieren will. »Gerade bei Präventionsleistungen ist das Geld gut angelegt.« Etwa 300 000 Euro pro Jahr müsste das Land investieren. Eine Summe, die sicherlich zu finden wäre, zumal gemunkelt wird, dass der Etat von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) im künftigen Haushalt erheblich steigen wird.

Carsten Schatz von der Deutschen Aids-Hilfe hält es daher auch für »fahrlässig«, den Erfolg des Programms aufs Spiel zu setzen. Die Tests würden die Szene leicht erreichen, auch weil sie anonym sind. »Sie sind damit essenziell für die Gesundheit vieler Menschen und für die HIV-Prävention insgesamt«, betont Schatz.

»Das zielgruppenübergreifende Testangebot ist eine wichtige Säule der Früherkennung und Prävention in der Infrastruktur für die sexuelle Gesundheit Berlins«, meint Klaus Lederer von der LINKEN im Abgeordnetenhaus. Das Angebot sei innovativ, Berlin dürfe nicht zurückfallen. Senat und Parlament müssten die Existenzgrundlage dieser Präventionsarbeit sichern. Jäkel hofft auf die Mitglieder des Gesundheitsausschusses, die könnten die erforderlichen Mittel intern verschieben. »Es wäre gut, wenn sie das auch tun würden.«

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