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Als Befreier zurückgekehrt

AlliertenMuseum stellt Biografien deutscher Juden im Dienste der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs vor

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 2 Min.

»Eines Tages werde ich hierher zurückkehren.« Das hatte sich Henry Kissinger bei seiner Emigration im Jahr 1938 aus dem fränkischen Fürth nach New York geschworen. Er behielt Recht. Mit 21 Jahren landete Kissinger als Unteroffizier mit den US-amerikanischen Invasionstruppen am »D-Day« in der Normandie. Nicht wenige der 300 000 deutschen Juden, die vor dem Holocaust ins Ausland emigrieren konnten, kamen nach Deutschland als Soldaten alliierter Armeen, Übersetzer, Analysten und Verhörspezialisten zurück. Historiker schätzen, dass rund 30000 jüdische Deutsche wie Kissinger aktiv gegen den Nationalsozialismus kämpften.

Diesem bislang wenig beleuchteten Thema deutsch-jüdischer Geschichte widmet das AlliertenMuseum in Berlin-Zehlendorf die Sonderausstellung »Sieger, Befreier, Besatzer: Deutsche Juden im Dienst der Alliierten«. Die Schau im Foyer des ehemaligen Outpost-Theaters versteht sich als Beitrag zum diesjährigen Themenjahr »Zerstörte Vielfalt. Berlin 1933-1938-1945«. Anhand von Dokumenten, Zeitzeugeninterviews und weiteren Originalexponaten werden exemplarisch die Biografien von 14 jüdischen Emigranten vorgestellt. Die Lebensgeschichten könnten unterschiedlicher kaum sein. Neben bekannten Persönlichkeiten wie der spätere US-Außenminister Kissinger oder den Schriftstellern Alfred Döblin und Stefan Heym werden die bewegten Geschichten von Menschen wie dem Sozialdemokraten Hans Neumann erzählt. Neumann hatte als früher Gegner des Faschismus bereits 1936 als Freiwilliger auf Seiten der Republikaner im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft. Nach dem Sieg der Franco-Faschisten gelangte er über Holland nach Frankreich, wo er vom kollaborationistischen Vichy-Regime zur Zwangsarbeit nach Nordafrika geschickt wurde. Von französischen Truppen befreit, schloss er sich kurzerhand der Armee des »Freien Frankreich« unter General De Gaulle an und wirkte an der Befreiung von Paris mit. Im Gegensatz zu vielen Emigranten, deren Bindung an Deutschland durch die Shoah für immer zerstört war, kehrte Neumann nach 1945 zurück und war war bis zu seinem Tod 1972 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Fulda.

Das Verhältnis der Alliierten zu den Emigranten war keineswegs konfliktfrei. Nach dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 wurden deutsche Juden in Großbritannien, den Commonwealth-Staaten sowie in den USA als »Enemy Aliens« (feindliche Ausländer) oftmals verhaftet. Erst im Laufe des Krieges wurde ihre wichtige Rolle, vor allem im Bereich der psychologischen Kriegführung und zur Übertragung von Botschaften an den Feind erkannt. Nach 1945 standen die Emigranten vor der Entscheidung, zu bleiben oder in ihr Exilland zurückzugehen. Viele entschieden sich für letzteres. Diejenigen, die blieben, wie Stefan Doernberg, der mit der Roten Armee Berlin befreite und später DDR-Botschafter in Finnland wurde, hatten auf ein friedliches, besseres Deutschland gehofft.

Bis 1. Dezember, AlliiertenMuseum Berlin, Clayallee 135, Di. - So. 10-18 Uhr.

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