Neues Hobby

Jeff Bezos / Der Amazon-Gründer leistet sich die »Washington Post«

Dass Jeff Bezos die »Washington Post« mittels der 1-Click-Technik seiner Firma Amazon erstanden hat, ist natürlich nur ein Gag der US-Internet-Gemeinde. Aber einen wahren Kern hat er doch: Wie so mancher Einkäufer beim Onlinehändler Amazon scheint sich auch dessen Chef etwas überstürzt ein Produkt gekauft haben, mit dem er nicht so recht etwas anzufangen weiß. In einem Brief an die Mitarbeiter der renommierten Zeitung erklärte der 49-Jährige, er habe keinen Plan: »Wir müssen etwas erfinden, was bedeutet, dass wir experimentieren müssen.«

Nicht zum ersten Mal stürzt sich der aus New Mexico stammende Unternehmer Hals über Kopf in ein Abenteuer. Den Geschäftsplan für Amazon verfasste er 1994 bei einer Autofahrt nach Seattle. Die Idee eines Online-Buchshops hatte der Informatiker mit Bachelor-Abschluss während seiner Zeit beim Hedgefonds D. E. Shaw & Co. entwickelt, wo er ausschied, um die Idee mit dem Geld von Verwandten und Freunden zu realisieren. Bereits im ersten Monat gingen Bestellungen aus 45 Ländern ein. Bis heute lautet das Geschäftsmodell: Umsatz-Expansion, nicht schneller Profit. 2002 schrieb Amazon erstmals schwarze Zahlen - da war man längst an der Börse, hatte den New-Economy-Crash überstanden und war zum weltgrößten Internethändler mutiert. So etwas geht nicht ohne ruppige Methoden wie Knebelverträge für Händler auf dem Amazon-Marktplatz, Zwangsrabatte von Buchverlagen und Behinderung von Gewerkschaftsarbeit. Bezos hat die Strategie indes reich gemacht: Sein Vermögen wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt.

Da kann man sich teure Hobbys leisten. 2000 gründete er das Unternehmen Blue Origin, das Privatleuten einen Weltalltrip ermöglichen möchte. Und nun kommt die »Washington Post« hinzu. Einen Kurswechsel bei dem Mitte-Links-Blatt schließt Bezos aus. Das klingt glaubwürdig: Er unterstützt die Zulassung der Homo-Ehe und spendet vor allem an demokratische Kandidaten. Ob es dem Internetpionier aber gelingen wird, der durch die digitale Konkurrenz angeschlagenen Zeitungswelt eine Zukunft aufzuzeigen, bleibt abzuwarten.

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